Die Volksschule benötigt in nächster Zukunft mehr Lehrpersonen. Dies aus
unterschiedlichen Gründen: Kleinere Klassengrössen und verschiedene
Schulentwicklungen (z.B. Fremdsprachenunterricht auf der Primarstufe) haben den
Personalbedarf erhöht. Schliesslich zeigt sich gerade im Lehrberuf ein Trend zur
Teilzeitarbeit.
In den nächsten 15 Jahren wird über ein Drittel der amtierenden Lehrpersonen
pensioniert, was die Situation zusätzlich erschwert. In einzelnen Kantonen ist
überdies mit steigenden Schülerzahlen zu rechnen: So wird für die Kantone Zürich,
Bern und den Bildungsraum Nordwestschweiz bis 2018 ein Zuwachs von über 8
Prozent prognostiziert. Mit den Studierenden, welche die reguläre Ausbildung an den
Pädagogischen Hochschulen absolvieren, kann dieser Bedarf aller Voraussicht nach
nicht gedeckt werden. Es bedarf deshalb zusätzlicher Anstrengungen.
Attraktive Ausbildungsprogramme
Aufgrund dieser Ausgangslage haben sich die Trägerkantone der drei grössten
Pädagogischen Hochschulen der Schweiz - die Kantone Zürich, Bern, Aargau,
Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn - für ein gemeinsames Vorgehen
entschieden, mit dem Ziel, zusätzliche Arbeitskräfte für den Lehrberuf zu gewinnen.
Die Bildungs- und Erziehungsdirektoren der sechs Kantone haben sich auf folgende
Massnahmen geeinigt, die möglichst bald umgesetzt werden sollen:
- Attraktives Ausbildungsprogramm für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger.
Erfahrene Berufsleute (mind. 30 Jahre alt) mit akademischer Ausbildung oder
entsprechender Erfahrung sollen für den Lehrberuf gewonnen werden. Die
Ausbildungsangebote müssen den Lebensumständen der Studierenden angepasst
sein, z.B. mit Abend- und Wochenendveranstaltungen. Nach einer ersten
Ausbildungsphase soll diese Personengruppe bereits unterrichten und ihr weiteres
Studium berufsbegleitend absolvieren können. Vor Beginn der Ausbildung soll die
Eignung durch eine entsprechende Prüfung oder ein Assessment geklärt werden.
Diese Studienangebote sollen 40 bis 100 ECTS Punkte nicht übersteigen, was bei
einem Vollstudium einer Dauer von 9 bis 18 Monaten entspricht. Die regulären
Ausbildungsgänge umfassen für die Primarschule 180, für die Sekundarschule 270
ECTS-Punkte. Da die Studierenden dieser Ausbildungsgänge Erfahrung aus einer
anderen Ausbildung oder ihrem Berufsleben mitbringen, wird die Studiendauer
verkürzt.
- Nachqualifikation von Lehrpersonen der Primarschule für die Sekundarstufe I.
Bereits heute unterrichten viele Primarlehrpersonen erfolgreich auf der
Sekundarstufe I. Da der Mangel an Lehrpersonen die Sekundarstufe I stärker trifft als
die Primarstufe, wird Lehrpersonen mit Primarstufenausbildung eine kürzere
Umschulung auf die Sekundarstufe I ermöglicht. Für diese Kurse werden 20 bis 60
ECTS Punkte gefordert.
Diese verkürzten Studiengänge führen zu kantonalen Lehrdiplomen ohne EDKAnerkennung.
Die sechs Kantone sind deshalb übereingekommen, die kantonalen
Lehrdiplome gegenseitig anzuerkennen. Nur so können zielgruppenorientierte,
attraktive Ausbildungsangebote realisiert werden. Um die verkürzten
Ausbildungsgänge zu realisieren, sind in den Kantonen zum Teil
Gesetzesänderungen nötig.
Zusätzliche Anstrengungen in den einzelnen Kantonen
Neben diesen koordinierten Massnahmen werden Zürich, Bern und die Kantone im
Bildungsraum Nordwestschweiz (Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und
Solothurn) weitere Massnahmen auf kantonaler Ebene beschliessen. Diese betreffen
den Bereich der Personalentwicklung und -förderung und die Ausbildung zu
Fachlehrpersonen in Fächern, in denen der Mangel besonders akut ist. Verstärkt
angeboten werden sollen auch Kurse für Wiedereinsteiger/-innen. Solchen
Angeboten kommt im Lehrberuf mit seinem hohen Frauenanteil eine besondere
Bedeutung zu.
Auskunft für den Bildungsraum Nordwestschweiz erteilt:
Regierungsrat Klaus Fischer,
Departement für Bildung und Kultur des Kantons
Solothurn und Vorsitzender des Regierungsausschusses
032 627 29 01
Spezifisch zu den einzelnen Kantonen geben Auskunft:
Für den Kanton AG Regierungsrat
Alex Hürzeler,
Departement Bildung, Kultur
und Sport des Kantons Aargau,
062 835 20 01 (erreichbar am 2.7.10 bis 11.00)
Für den Kanton BL
Regierungspräsident Urs Wüthrich-Pelloli,
Bildungs-, Kultur und Sportdirektion des Kantons Basel-Landschaft,
061 552 50 60
Für den Kanton BS
Regierungsrat Dr. Christoph Eymann,
Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt,
061 267 84 41
Für den Kanton SO
Regierungsrat Klaus Fischer,
Departement für Bildung und
Kultur des Kantons Solothurn,
032 627 29 01
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