Ein unerwarteter Fund bei der Rhyputzete

Jugendliche haben archäologischen Schatz bei der Rhyputzete gefunden

Bekanntlich lassen sich Unentwegte nicht davon abbringen, während des ganzen Jahres im Rhein zu schwimmen. Aber besonders jetzt, bei den sommerlich warmen Temperaturen, lädt der Rhein zum Bade. – Das war offenbar auch schon in früheren Zeiten so, wie die Radierung von Hans Heinrich Glaser aus dem Jahr 1642 illustriert. Dass aber „dr Bach“ einladend und immer sauberer werden soll, hat sich die 1996 gegründete „IG Ryybutzete“ auf die Fahne geschrieben. Sie organisiert zusammen mit dem Tiefbauamt rund alle drei bis fünf Jahre eine sogenannte Rhyputzete. Unzählige Freiwillige, darunter viele Hobbytaucher, bergen aus der ufernahen Zone all den Müll und Schrott, den unachtsame Zeitgenossen hier klammheimlich und oft mutwillig entsorgt haben. 2003 umfasste die „Ausbeute“ dieser Aktion ganze 25 Tonnen (!) Abfall und Schrott, die aus dem Rhein gefischt wurden. An der letzten offiziellen Rhyputzete, im September des vergangenen Jahres, waren es schon wieder 8 Tonnen! Dass bei solchen Aktionen auch einmal ein besonderer Fund zutage gefördert werden kann, haben Till-Baptiste Römmelt und zwei Freunde erfahren. Unter dem Schrott, Fahrrädern und Eisenkettenteilen, die von freiwilligen Tauchern unterhalb des Grossbasler Ländestegs der Münsterfähre geborgen worden waren, zogen die Jugendlichen ein metallenes kugeliges Töpfchen aus dem Schlick hervor. Die Form des Objektes faszinierte und sie waren der Meinung, dass es sich dabei um eine Urne handeln könnte, der Fund an sich aber eigentlich unbedeutend sei.

Vor zwei Wochen nun wollten die Freunde doch mehr über ihre Entdeckung in Erfahrung bringen und wandten sich deshalb an die Archäologische Bodenforschung. Schnell war klar, dass es sich um einen nicht alltäglichen Fund handelt, nämlich um ein sogenanntes „Tüpfi“, wie dreibeinige spätmittelalterliche bis frühneuzeitliche Kochgefässe in unserem Sprachraum genannt werden. Vom 13.-17. Jahrhundert gab es davon Ausführungen in Keramik und Buntmetall, seit dem 18. Jh. vermehrt auch aus Gusseisen. Aus Bronze gegossene und vor allem ganz erhaltene Exemplare sind eher selten. Unser Exemplar mit dem kugeligen Gefässkörper, den gewinkelten Henkeln, den umlaufenden Rippen und den kurzen spitzen Füsschen ist stark korrodiert. Eine dicke porige Patina ist das Ergebnis der langen Einlagerungszeit im Fluss und überzieht das ganze Gefäss. Dennoch lassen sich an gewissen Stellen Brauen, Gussnähte und Unebenheiten der Gefässwandung erkennen, die darauf hindeuten, dass das Gefäss nach dem Guss nicht abschliessend sauber überarbeitet worden war. Deshalb bleibt vorderhand, bis zur Reinigung und Konservierung offen, ob es je in Gebrauch gewesen war. Solche Dreibeingefässe – in Norddeutschland wurden sie Grapen genannt – besassen früher einen vergleichsweise hohen Materialwert. Defekte oder zu Bruch gegangene Exemplare wurden eingeschmolzen und wieder verwertet. Unser offenbar unfertiges Stück scheint, zusammen mit anderem Abfall und Schutt, vor Ort im Rhein entsorgt worden zu sein. Einen Hinweis darauf wie und wo, liefert uns wieder die Radierung Hans Heinrich Glasers, worauf unterhalb der Pfalzterrasse ein Schuttkegel dargestellt ist. Lange vor dem Bau der einst mit Zinnen versehenen Rheinufermauer, die aus den 1590er Jahren stammt, hatte man schon nach 1460 damit begonnen, das Terrain am Fuss der Pfalzterrasse durch Aufschüttungen zu einer Landfeste umzugestalten. Sie wurde mit einer Panzerung aus Sandsteinquadern versehen, um ein Unterspülen der Terrassenmauer zu verhindern. Offenbar hatte die Strömung des Flusses aber nicht ausgereicht, um allen Abfall und Schutt wegzuschwemmen, den man seinen Fluten von Zeit zu Zeit übergeben hatte, so dass das Tüpfi wieder ins Trockene gebracht werden konnte.

www.archaeologie.bs.ch

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