Ergebnisse zur Familienbefragung 2013 des Kantons Basel-Stadt: Familien sind grundsätzlich zufrieden

Im Frühjahr 2013 wurden in Basel-Stadt im Auftrag des Regierungsrates 2 231 Familien zu ihrem Befinden und zu ihren Bedürfnissen gefragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Familien in der grossen Mehrheit gerne im Kanton Basel-Stadt leben und die familienpolitischen Anstrengungen der Regierung wahrnehmen und schätzen. Sie belegen aber auch, dass die Familien in vielen Bereichen noch Spielraum für mehr und weitere Unterstützungsleistungen durch den Kanton sehen.

Insgesamt antworteten die befragten Familien 2013 in vielen Belangen sehr ähnlich wie 2009. Unterschiedliche Einschätzungen zwischen den Familien ergeben sich auch 2013 primär aufgrund der unterschiedlichen familiären Lagen. So steht das Wohlbefinden z. B. in vielen Fällen direkt mit dem Haushaltseinkommen in Zusammenhang, welches wiederum vom Bildungsgrad und der Herkunft beeinflusst wird. Aber auch die Situation alleinerziehender Eltern ist im Vergleich mit Paarhaushalten häufig prekärer.

91% der Familien fühlen sich in ihrem Wohnquartier wohl. Die urbane Kleinräumigkeit kommt ihnen dahingehend entgegen, dass die Mehrheit in weniger als 10 Gehminuten viele zentrale Angebote erreichen kann: 4 von 5 Familien erreichen den nahegelegensten ÖV-Anschluss, einen Spielplatz, Einkaufsmöglichkeiten, eine Apotheke oder eine Grünfläche zu Fuss in weniger als zehn Minuten. Die Zufriedenheit mit diesen Angeboten fällt dann auch entsprechend hoch aus. Tendenziell längere Wege absolvieren die Familien für Arzt- und Kinderarztbesuche oder für Besuche der Bibliothek. Die Schulwege der Kinder werden mit steigender Schulstufe länger. Die Zufriedenheit mit dem Wohnquartier ist gerade deshalb von Bedeutung, weil die Familien ihre Freizeit mit den Kindern am häufigsten im eigenen Quartier verbringen, vorwiegend auf Spielplätzen und in Parks.

Die Wichtigkeit des ÖV manifestiert sich deutlich bei den Abonnementen: Nur 7% der Familien besitzen überhaupt kein Abo, die restlichen 93% haben oft mehrere Abonnemente, wobei das U-Abo und das Halbtax am häufigsten genannt wurden, gefolgt von der Juniorkarte. Rund zwei Drittel der Familien besitzen mindestens ein Auto, 27% nutzen ausschliesslich ihre Fahrräder. Eine zentrale Einschränkung im Zusammenhang mit dem Wohnquartier stellt der Verkehr dar: Wie schon 2009 wird er mit 50% auch 2013 als häufigste Ursache dafür genannt, dass Vorschulkinder unter 6 Jahren vorhandene Spielmöglichkeiten im nahen Wohnumfeld nicht unbeaufsichtigt nutzen können. Auch bei den Fragen zur Zufriedenheit im Quartier schneiden die Verkehrssituation für Kinder sowie die Verkehrsbelastung mit je 44% negativer Voten eher schlecht ab. Trotz einiger negativer Aspekte betreffend das Wohlbefinden im Quartier geben nur 11% der Familien an, einen konkreten Umzugswunsch zu hegen und zwar solche, die mit dem Quartier mehrheitlich unzufrieden sind. Die meisten Familien mit Umzugswunsch möchten im Kanton Basel-Stadt wohnhaft bleiben. Der häufigste Umzugsgrund ist eine zu kleine Wohnung.

Das Haushaltsbudget erwirtschaften - wie 2009 - 75% der Mütter und 91% der Väter. Dabei sind Mütter häufiger Teilzeit erwerbstätig und seltener im mittleren und oberen Kader anzutreffen als Väter. Alleinerziehende Mütter sind häufiger als Mütter aus Paarhaushalten erwerbstätig. Der Hauptarbeitsplatz liegt bei der Mehrheit der Eltern im Kanton Basel-Stadt. 18% der Mütter und 24% der Väter arbeiten zudem in den umliegenden Kantonen (AG, BL, SO). Der Arbeitsweg liegt bei zwei Dritteln der Eltern unter 20, bei einem knappen Drittel unter 10 Minuten pro Weg. Die meisten Eltern legen den Arbeitsweg zu Fuss, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖV zurück, das Auto spielt eine untergeordnete Rolle. Die deutliche Mehrheit der Eltern ist mit dem aktuellen Arbeitspensum zufrieden und wünscht sich keine Veränderung.

47% der Familien machen Gebrauch von familienergänzenden Tagesbetreuungsangeboten. 23% der Familien nutzen Tagesheime zur Betreuung ihrer Kinder, Schulkinder werden zudem oft an Mittagstischen und Schulen mit Tagesstrukturen betreut. Während der Schulferien greifen die Eltern häufiger als 2009 auf Tagesferienangebote zurück.

Die Zufriedenheit mit den familienergänzenden Angeboten beträgt fast 90%. Die häufigsten negativen Voten betreffen mit rund 30% den Wunsch nach einer besseren Übereinstimmung von Betreuungs- und Arbeitszeiten. Die meisten Eltern stehen dem weiteren Ausbau der Betreuungsangebote positiv gegenüber. Bei den Antworten auf die Frage, welche Betreuungsmöglichkeiten sie in den nächsten 5 Jahren weiterhin oder neu nutzen möchten, schwingen die Schulen mit Tagesstrukturen, die Mittagstische und die Tagesheime obenauf. Die Zufriedenheit der Eltern mit den Schulen im Kanton Basel-Stadt nimmt im Vergleich zu 2009 zu. Besonders den Austausch mit den Lehrpersonen stufen die Eltern mit 80% sehr positiv ein.

Mit der partnerschaftlichen Arbeitsteilung ist die Mehrheit der Familien zufrieden, wobei die Väter leicht zufriedener sind als die Mütter. Am unbeliebtesten im Vergleich von Familien-, Haus- und Erwerbsarbeit ist die Hausarbeit, welche 33% der Väter und 22% der Mütter ungern erledigen. Tatsächlich übernehmen die Mütter nach wie vor den grössten Teil der anfallenden Hausarbeiten.

Mit ihrer finanziellen Lage sind 58% der Familien zufrieden, leicht mehr als 2009. Auch gaben 2013 fast 50% der Familien an, ihre finanzielle Lage habe sich in den vergangenen fünf Jahren verbessert. Die steuerliche Belastung empfinden 2013 31% der Familien als angemessen, eine Steigerung um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2009. Zur Schonung des Familienbudgets wird am häufigsten auf Luxusartikel und teure Einkäufe für den täglichen Bedarf verzichtet. Dennoch reicht das Geld in vielen Familien nicht fürs Sparen, für eine private Vorsorge oder für Ferien. Als häufigste Unterstützungsleistungen werden erneut Kinderzulagen und Prämienverbilligungen genannt. Im Vergleich zu 2009 werden die Mietzinsbeiträge 2013 deutlich häufiger genannt.

Als familienunterstützendes Angebot nehmen die Familien mit 41% am häufigsten die Mütter- und Väterberatung in Anspruch. Den Familienpass besitzen 43%. Informationen zu den Angeboten finden die Familien im Internet, in der Zeitung oder im Dialog mit Freunden oder der Schule.

Nach Ihren freien Wünschen gefragt, machten die Familien erneut viele verschiedene Angaben, von denen sich eine Mehrheit als Wunsch nach zusätzlicher finanzieller Entlastung zusammenfassen lässt. Gewünscht werden z. B. mehr Unterstützung bei der Finanzierung der Tagesbetreuung, weitere Reduktionen bei den Steuern, Reduktionen bei den ÖV-Kosten oder den Krankenkassenprämien sowie die Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum.

Hinweise:

Sämtliche Analysen und Berichte der Familienbefragung sowie die Grundauswertung mit Tabellen und Grafiken zu jeder Frage sind ab dem 15. Januar 2015, ab 11 Uhr unter www.statistik.bs.ch abrufbar

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