Prix schappo
Der Prix schappo
Der Prix schappo wird zwei Mal jährlich an Vereine oder Gruppen verliehen, die sich für andere Menschen stark machen und sich mit ausserordentlichem freiwilligen Engagement für die Förderung der Lebensqualität in Basel einsetzen.
schappo Gala: Die Preisträgerinnen und Preisträger des 56. - 59. Prix schappo
Der 56. Prix schappo geht an «Tram-dem»
Sicherheit, Mobilität und Unabhängigkeit im Alter
Die Türglocke klingelt. Am Eingang steht Urs. Pünktlich zur vereinbarten Zeit holt er Margrith zu Hause in Riehen ab. Nach einer herzlichen Begrüssung machen sich die beiden auf den Weg ins Augenspital. Margrith hat einen Kontrolltermin und fühlt sich zunehmend unsicher im Tram. Zwei bis drei Mal im Monat nimmt Margrith das kostenlose Angebot von «Tram-dem» in Anspruch – die Begleitung von älteren Menschen im öffentlichen Verkehr. Freiwillig tätige Vertrauenspersonen wie Urs ermöglichen Seniorinnen und Senioren den öffentlichen Verkehr in Basel sicher zu nutzen und unabhängig zu bleiben.
Wie läuft das ab? Ganz einfach. Wer eine Begleitung für eine Tram- oder Busfahrt wünscht, meldet sich mindestens zwei Tage im Voraus telefonisch oder mit E-Mail bei der «Tram-dem»-Koordinationsstelle und teilt Datum, Zeit und Zielort mit. «Tram-dem» übermittelt die Anfrage an das Team von über dreissig Freiwilligen mit einer App. Die Begleitperson meldet sich und bestätigt den Einsatztermin. Wer das kostenlose Angebot erstmals nutzt, muss sich vorgängig anmelden und bei einem vertraulichen Gespräch werden Adresse, Name und für die Begleitung wichtige Gesundheitsinformationen ausgetauscht. Die Begleitpersonen, die von «Tram-dem» vermittelt werden, sind vertrauenswürdige Freiwillige, die persönlich bekannt sind, ein Aufnahmegespräch durchlaufen und zudem die strengen Aufnahmekriterien erfüllt haben.
Expertenmeinung
Ältere Menschen wollen ihre Mobilität behalten. Sie möchten sich sicher, unabhängig und möglichst selbstbestimmt mit Tram und Bus bewegen können. Die damit verbundenen Themen darf man aber nicht klein reden: Bremsmanöver, Kurvenfahren oder überfüllte Trams und Busse zu Stosszeiten führen zu Unsicherheit, Angst und teilweise Rückzug in die Isolation.
GGG Benevol kennt die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren und hat das kostenlose Angebot «Tram-dem» vor drei Jahren ins Leben gerufen: Freiwillige begleiten ältere Menschen im öffentlichen Verkehr.
Die Freiwilligen bieten Begleitung und Unterstützung, damit ältere Menschen sicher von A nach B gelangen, oder einen Termin beim Arzt oder Coiffeur wahrnehmen können. Darüber hinaus werden sie aber auch zur Begleitperson im Alltag und sehr häufig zum geschätzten Gesprächspartner. Gleichzeitig werden die Angehörigen entlastet und das freiwillige Engagement stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Expertenkommission und der Kanton Basel-Stadt anerkennen und würdigen dieses Engagement mit Vorbildcharakter und überreichen den freiwilligen ÖV-Begleiterinnen und -begleitern am 23. April 2026 den Prix schappo.
Daniel Brunner, Mitglied der schappo Expertenkommission.
Der 57. Prix schappo geht an «Mein Ohr für Dich – einfach mal reden!»
Hallo! Schön rufst Du an
Aus Studien ist bekannt, dass mehr als 40% der Bevölkerung sich manchmal oder regelmässig einsam fühlen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Diese Erkenntnis und eigene Beobachtungen zu Beginn der Pandemie im Jahr 2020 haben das Gründer-Ehepaar Daniela und Philippe Goetschel Schnizer motiviert, das kostenlose Alltagstelefon «Mein Ohr für Dich – einfach mal reden!» ins Leben zu rufen. Das Erfolgsrezept heisst: 100% Freiwilligenarbeit! Heute sind über fünfzig geschulte Freiwillige jede Woche am Telefon im Einsatz. Jährlich werden über 7'000 Gespräche geführt, Tendenz steigend.
Gioia sitzt entspannt zu Hause am Bürotisch. Sie ist eine von über fünfzig freiwillig tätigen Mitarbeitenden beim Alltagstelefon für Jung und Alt. Das Smartphone klingelt. Sie nimmt den Anruf entgegen. «Guten Tag, heute ist Gioia im Dienst. Schön rufst du an.» Nach einer herzlichen Begrüssung nimmt das Telefongespräch Fahrt auf. Die anrufende Person ist Mami von drei Kindern und im Alltag hin und wieder überfordert. Verständnisvolle Freundinnen oder Nachbarn fehlen. Umso wertvoller ist der Austausch am Telefon. Endlich hört ihr jemand zu, hat Verständnis für ihre Alltagssituation. Nach 25 Minuten verabschiedet sich die Mutter. Das Gespräch hat ihr gutgetan und neuen Mut gegeben, die eine oder andere Herausforderung anzupacken.
Die Gratistelefonnummer 0800 500 400, kostenlos, anonym und vertraulich, ist für alle Anrufenden ab 16 Jahren täglich von 14 bis 21 Uhr, Samstag & Sonntag von 17 bis 19 Uhr, offen. Wer anruft, findet sogleich ein offenes Ohr und kann mit geschulten Freiwilligen plaudern, diskutieren, erzählen und Gedanken teilen.
Expertenmeinung
In einer zunehmend digitalisierten Welt, in der inzwischen auch Home-Office salonfähig geworden ist, wächst die Gefahr von Isolation, Abschottung und fehlendem, zwischenmenschlichem Kontakt. Das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, sich auszutauschen oder seine Sorgen loszuwerden, nimmt zu. Das Projekt «Mein Ohr für Dich – einfach mal reden!» hat diese Herausforderung erkannt und mit dem kostenlosen, anonymen Alltagstelefon eine niederschwellige Plattform und Begegnungszone für betroffene Menschen geschaffen.
Sowohl die Anrufenden wie auch die freiwillig arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen die Anonymität und die Vertraulichkeit des persönlichen Telefongesprächs – auch wenn es sich um Alltägliches handelt. Das Projekt grenzt sich auch klar von fachlichen Angeboten und Kriseninterventionen ab. Entsprechende Anrufe werden an Fachpersonen weitervermittelt.
Für anrufende Personen ist das Alltagstelefon eine Anlaufstelle, bei der sie ein Telefongespräch mit Respekt, Wertschätzung, Empathie und auf Augenhöhe führen können.
Hinter diesem Angebot stehen 50 Freiwillige sowie eine aktive, dynamische, freiwillig engagierte Projektleitung, die an 365 Tagen im Jahr diesen Telefondienst anbieten. Sie schenken ihre Zeit und ermöglichen mit viel Herz und Einfühlungsvermögen, dass Menschen in Einsamkeit einfach mal reden und ein Gespräch führen können. Ein einzigartiges Engagement, das grossen Respekt verdient. Die Expertenkommission sagt mit Überzeugung Danke und anerkennt das wertvolle Engagement mit dem Prix schappo.
Stefan Güntert, Mitglied der schappo Expertenkommission
Der 58. Prix schappo geht an «Herzensbilder»
Fotos halten fest, was das Herz nicht vergessen will
«Herzensbilder» schenkt professionelle Familienfotografien, wertvolle Bilder im Kreis der Nächsten. Dazu gehört die Organisation erfahrener, einfühlsamer Fotografinnen und Fotografen, der vertraute Kontakt mit den Pflegenden und der Einbezug qualifizierter Visagistinnen und Stylistinnen. Sie alle engagieren sich mit ihrem Können und stellen ihre Zeit und Arbeit kostenlos zur Verfügung.
Da noch etwas mehr Licht. Hier noch die Lieblingspuppe ins Bild bringen. Und mit Hilfe der Visagistin die Spuren der Trauer mit etwas Make-up zurücknehmen. Im Spitalzimmer ist alles bereit, um mit dem Shooting für die Familienfotos zu beginnen. Es entstehen Bilder für die Ewigkeit.
Es ist ein Balanceakt und eine grosse Herausforderung für die betroffene Familie, für die medizinischen Fachpersonen – und für die Freiwilligen von «Herzensbilder». Behutsam gehen sie auf die jeweiligen Menschen, Orte und Umstände ein. Sie kümmern sich individuell, liebevoll und mit grossem Einfühlungsvermögen um alle Betroffenen. Ob zuhause, im Spital oder im Naturgarten, die Bilder halten Erinnerungen fest, spenden Trost und helfen mit, die Trauerarbeit zu bewältigen – auch noch nach Jahren.
Expertinnenmeinung
Es gibt Momente im Leben, da steht die Welt still und nichts ist mehr, wie es sein sollte. Die Freiwilligen des Vereins «Herzensbilder» engagieren sich genau in solchen Ausnahmesituationen. Dort wo ein Elternteil oder ein Kind schwer krank ist und um deren gebangt werden muss, oder wenn ein Kind still oder viel zu früh geboren wurde und verstorben ist. Für die professionellen Fotografinnen und Fotografen, die Stylistinnen und Stylisten sowie Visagistinnen und Visagisten sind diese Einsätze ein Balanceakt, den es mit Einfühlungsvermögen und Erfahrung zu meistern gilt. Für die betroffenen Familien entstehen so kostbare Erinnerung von bleibendem Wert.
Die professionellen Fotografien sind jedoch weit mehr als Erinnerungsstücke: Sie sind ein wertvoller Beitrag zur Trauerverarbeitung, stärken den familiären Zusammenhalt und schenken Kraft.
Mit 140 Freiwilligen und mehr als 2’700 unentgeltlichen Einsatzstunden begleitet das Projekt «Herzensbilder» in der Deutschschweiz über 150 Familien pro Jahr. Mit der Vergabe des Prix schappo würdigt der Kanton Basel-Stadt dieses Projekt mit Vorbildcharakter und anerkennt das beeindruckende Engagement der Freiwilligen des Vereins Herzensbilder.
Denise Moser, Mitglied der schappo Expertenkommission
Der 59. Prix schappo geht an «Sprachmobil.ch»
Mehr als ein fahrendes Schulzimmer
«Sprachmobil.ch» ist ein zivilgesellschaftliches Projekt, in welchem ehrenamtliche Freiwillige Menschen mit Fluchterfahrung (vornehmlich Status N, F und S) die deutsche Sprache vermitteln. Die kostenlosen Lernbegegnungen finden im fahrenden Schulzimmer, aber auch in Räumen, die von Gemeinden, Institutionen oder Schulbehörden gratis zur Verfügung gestellt werden, statt.
Der Gründer, Billy Meyer und das Freiwilligen-Team mit über 40 Mitarbeitenden sind mehrmals wöchentlich an 11 Standorten unterwegs, um Menschen mit Fluchterfahrung beim Deutschlernen zu unterstützen. Es ist erwiesen: bereits ein paar wenige Worte Deutsch stärken das Selbstvertrauen und fördern die Eigenständigkeit.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen das Angebot mit grossem Enthusiasmus. Die kostenlosen Lernbegegnungen (Anmeldung erwünscht) sind niederschwellig, dezentral organisiert sowie ohne Zwang und Notendruck. In Kleingruppen, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, Alter oder Geschlecht, wird der Lerninhalt jedes Mal auf die Bedürfnisse und Wünsche der Sprachschülerinnen und -schüler abgestimmt. Die Atmosphäre ist ungezwungen und bietet einen Rahmen für schnelle Lernerfolge.
Expertinnenmeinung
«Sprachmobil.ch» steht exemplarisch für ein wirkungsorientiertes und niederschwelliges Bildungsangebot im Integrationsbereich, bei dem Lernen und Begegnung im Zentrum stehen. Durch den mobilen und bedürfnisorientierten Ansatz erreicht das Projekt Menschen mit Fluchterfahrung dort, wo klassische Strukturen oft an ihre Grenzen stossen. Das Team besteht aus engagierten, freiwilligen Lehrpersonen. Ihnen gelingt es, Räume zu schaffen und Lerninhalte so zu vermitteln, dass die sprachliche, soziale und persönliche Entwicklung der Teilnehmenden gefördert wird.
Der kostenlose Unterricht ist äusserst flexibel gestaltet, alltagsnah und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt. Teilnehmende und Freiwillige begegnen sich auf Augenhöhe und lernen gegenseitig voneinander. Alle Lehrpersonen durchlaufen ein Auswahlverfahren. Sie zeichnen sich durch hohe fachliche Kompetenz, Sensibilität für kulturelle Unterschiede sowie grosser Empathie gegenüber Menschen in herausfordernden Lebenssituationen aus.
Der ausserordentliche Einsatz der Freiwilligen und des Vorstands von «Sprachmobil.ch» ist vorbildlich und von grossem Wert für eine gelingende Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit grossem Respekt würdigen wir dieses Engagement und bedanken uns mit dem Prix schappo.
Anna Greub, Mitglied der schappo Expertenkommission
Bewerbung
Sie sind eine Gruppe, ein Verein, eine Interessensgemeinschaft oder ähnliches, die einem unbezahlten Engagement nachgehen. Mehrere Personen profitieren unmittelbar davon. Ihr Projekt realisieren Sie hauptsächlich im Kanton Basel-Stadt, und es richtet sich an Personen, die hier leben oder arbeiten.
Beschreiben Sie Ihre Idee oder Ihr Projekt. Zeigen Sie uns auf, was Ihr unbezahltes Engagement bemerkenswert macht, und teilen Sie uns mit, wie wir Sie konkret unterstützen können.
Ablauf
Erfüllt Ihre Bewerbung alle Kriterien, schicken wir Ihre Unterlagen an eine Fachperson in der kantonalen Verwaltung. Sie prüft Ihr Projekt mit einem standardisierten Bewertungsbogen.
Anschliessend werden Sie an eine der nächsten schappo Kommissionssitzungen eingeladen und können Ihr Projekt oder Ihr Angebot der Kommission persönlich vorstellen.
Gemeinsam mit den entsprechenden Preisträgerinnen und Preisträgern wird anschliessend festgelegt, wie die öffentliche Preisverleihung ablaufen soll, und wie schappo Ihr Angebot oder Ihr Projekt unterstützen kann.
Projektleitung und Kommission
Projektleitung
Die Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit innerhalb der Kantons- und Stadtentwicklung ist zuständig für den Prix schappo und das Projekt «schappo ist...»
Kommission
Die Mitglieder der schappo Kommission evaluieren und bewerten die eingereichten Anmeldungen. Sie entscheiden, welches Projekt oder welches Angebot einen schappo erhalten wird.
- Daniel Brunner-Ryhiner (Leiter Branding bei der Helvetia)
- Anna Greub (Leiterin der Quartierentwicklung Suhr)
- Denise Moser (Pensioniert, NPO-Leitungsfunktion)
- Stefan Güntert (Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz und Leiter des Schwerpunktes Freiwilligen-Management sowie Miliz-System)
Konzept und Realisation
Die Agenturgemeinschaft «hosproject» ist verantwortlich für die Konzeption, Kreation und Realisation der Kommunikationsmassnahmen.
Jenny Hartmann Art Director, Grafik
Michael Oswald Art Director, Grafik
Bruno Steiger Konzeption, Text, Account Management
Organisation vorschlagen
Möchten Sie eine Organisation für den Prix schappo vorschlagen?
Der Prix schappo zeichnet freiwilliges Engagement im Kanton Basel-Stadt aus.
Preisträgerinnen und Preisträger erhalten Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit, bei der Weiterentwicklung Ihres Projekts und durch unser Netzwerk.
Kennen Sie eine Organisation, die einen Prix schappo verdient hätte?
Senden Sie uns eine E-Mail mit Ihrem Vorschlag an schappo@bs.ch. Sobald wir Ihren Vorschlag erhalten haben, überprüfen wir diesen gerne gemäss unseren Kriterien und nehmen zu der betreffenden Organisation Kontakt auf. Zuletzt entscheidet die schappo Kommission über die Preisträger/innen.




