Einblicke gewinnen, Verständnis schaffen, Übergänge vereinfachen
NewsWie gelingt es, den Übergang zwischen Sekundarstufe I und Mittelschulen für die Schülerinnen und Schüler zu erleichtern und zugleich das Verständnis der Lehrpersonen für die jeweils andere Schulstufe zu stärken?

Die Schnittstelle zwischen der Sekundarstufe I und den Mittelschulen ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus gerückt. In der Praxis bestanden lange Zeit nur wenige systematische Berührungspunkte zwischen den Lehrpersonen dieser beiden Schulstufen. Unterschiedliche Ausbildungen, verschiedene Unterrichtsmodelle, begrenzte Einblicke in die andere Schulstufe sowie fehlende Zeit im Schulalltag erschwerten das gegenseitige Verständnis. Dieses ist jedoch für alle Beteiligten gewinnbringend: Lehrpersonen der Sekundarstufe I erhalten ein klareres Bild davon, welches Wissen und welche Kompetenzen an den Mittelschulen vorausgesetzt werden. Umgekehrt verstehen Lehrpersonen der Mittelschulen besser, mit welchen Voraussetzungen und Lernbiografien die Schülerinnen und Schüler aus der obligatorischen Schulzeit eintreten. Für die Lernenden bedeutet dies weniger Irritationen und Brüche bei Methoden, Leistungsanforderungen oder Bewertungspraktiken. So steigen die Chancen für einen erfolgreichen Übergang und damit auch die Chancengerechtigkeit.
Mehr als Hospitationen
Seit der Schulreform und der Einführung des Lehrplan 21 wurde der Austausch zwischen den Schulstufen verstärkt. Mit Unterstützung des Pädagogischen Zentrums PZ.BS setzte 2023 eine gemeinsame Initiative aus Sekundarstufe I und Mittelschulen einen wichtigen Impuls mit der Institutionalisierung von Fachhospitationen. Lehrpersonen desselben Fachs erhielten die Möglichkeit, den Unterricht der anderen Schulstufe kennenzulernen und gemeinsam zu reflektieren. Das Format erhielt positive Rückmeldungen, da es den fachlichen Austausch auf Augenhöhe förderte.
Im letzten Schuljahr wurde es weiterentwickelt. Neben klassischen Hospitationen standen auch andere Formate zur Verfügung wie Teamteaching, Schulbesuche oder der Austausch von Unterrichtsmaterialien. Lukas Ruchti, Lehrperson an der Sekundarschule De Wette, wählte den Austausch von Unterrichtserfahrungen und Materialien in der Kleingruppe. Er beschreibt den Vorteil dieses Austauschformats: «Es war zeitlich einfacher zu organisieren und wir konnten unseren Unterricht auf einer breiteren Ebene diskutieren als bei einem Unterrichtsbesuch. Der Nachteil liegt darin, dass der Austausch eher abstrakt war und wir den Unterricht nicht live miterleben konnten.»
Zukünftig auch überfachliche Themen
Auf der Grundlage der positiven Bilanz der vergangenen Jahre wird das Format des Fachaustauschs weiterentwickelt. Neben fachlichen sollen zukünftig auch überfachliche Themen aufgenommen werden. Der Austausch in Kleingruppen bleibt jedoch ein zentrales Element. Neu werden auch Berufsschulen einbezogen, um den Dialog über die Bildungsstufen hinweg weiter zu stärken. Dies erfolgt mit dem Ziel, ein geteiltes Verständnis zwischen den Schulstufen zu vertiefen und das Bildungssystem als zusammenhängenden Lernweg zu gestalten statt als Abfolge von isolierten Stationen. Genau hier liegt der eigentliche Mehrwert solcher Austauschformate.
Text und Foto: Claudio Gadola, Pädagogisches Zentrum, PZ.BS
Gegenseitige Hospitationen im grenznahen Frankreich
Einblicke und neue Impulse für den Unterricht liefert das Austauschformat vom PZ.BS zwischen Basel-Stadt und dem Elsass. Interessierte Lehrpersonen blicken in den Schulalltag im grenznahen Elsass und knüpfen dabei Kontakte mit ihren französischen Kolleginnen und Kollegen.