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Ahnen indigener Gemeinschaften werden nach Chile zurückgeführt

Medienmitteilung

Präsidialdepartement

Regierungspräsident Conradin Cramer empfängt heute eine Delegation der Fundación Pueblo Kawésqar sowie einen Vertreter der chilenischen Botschaft. Der Anlass im Rathaus findet im Rahmen einer Restitution menschlicher Überreste von Ahnen indigener Gemeinschaften aus dem Süden Chiles statt. Diese wurden anfangs 20. Jahrhundert von Basler Sammlern im kolonialen Kontext für das damalige Museum für Völkerkunde Basel erworben und befinden sich heute im Naturhistorischen Museum Basel.

Flechtkunst der Kawésqar, Fundación Pueblo Kawésqar
Flechtkunst der Kawésqar
© Fundación Pueblo Kawésqar

Regierungspräsident Conradin Cramer empfängt heute Nachmittag eine Delegation der indigenen Gemeinschaft der Kawésqar aus Chile. Der würdevolle Anlass im Rathaus mit geladenen Gästen findet im Beisein der chilenischen Botschaft statt. Er steht im Zeichen der Anerkennung eines historischen Unrechts, des Dialogs und der Zusammenarbeit. 

Kawésqar möchten ihre Ahnen zurück 

Im Vorfeld hatte der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt zugestimmt, dass zwei Skelette von Kawésqar-Vorfahren nach Chile zurückgeführt werden. Hinzu kommt ein Schädel, der aus einer Region stammt, die historisch von den Gemeinschaften Kawésqar, Yagán und Selk’nam bewohnt wurde. Dieser Entscheid erfolgte auf Antrag der Museumsdirektion, der Museumskommission und des Rektorats der Universität Basel. Einen solchen gemeinsamen Antrag schreibt das kantonale Museumsgesetz vor.  

Das Naturhistorische Museum Basel verweist in seinem Begehren, die menschlichen Überreste zu restituieren, auch auf die Ethischen Richtlinien der ICOM für Museen (International Council of Museums). Ende 2024 hatte es einen entsprechenden Restitutionsantrag von der Fundación Pueblo Kawésqar erhalten, einer koordinierenden Stelle zwischen indigenen Gemeinschaften, Museen, Universitäten und öffentlichen Stellen in Chile und der Schweiz. 

Kauf im kolonialen Kontext 

Die Provenienzforschung im Naturhistorischen Museum Basel konnte die Herkunftsgeschichte der menschlichen Überreste von Ahnen der indigenen Gemeinschaften Chiles klären: Die Basler Sammler Arnold Masarey (1881–1953) und Ludwig Paravicini (1868–1953) erwarben sie anfangs 20. Jahrhundert im kolonialen Kontext in Patagonien. Sie schenkten sie dem damaligen Museum für Völkerkunde. 1971 gingen die menschlichen Überreste in die Sammlung des Naturhistorischen Museums Basel über. Dank der Zusammenarbeit zwischen dem Museum und den indigenen Partnern konnte die Provenienzforschung die kolonialen Aneignungsumstände aufzeigen. Auch konnte nachgewiesen werden, dass die indigenen Gemeinschaften damals keine Zustimmung zum Kauf gaben.

Ahnen als Teil der Familie 

Für die Kawésqar werden sie nicht als menschliche Überreste verstanden, sondern als Personen, die auch heute in einer fortbestehenden spirituellen Beziehung zu ihren Nachfahren stehen. Entsprechend nehmen diese «Ancestral Remains» einen wichtigen Platz im kollektiven Gedächtnis sowie in der Kultur der Kawésqar ein.

In Abstimmung mit diesen indigenen Gemeinschaften werden sie nun nach Punta Arenas überführt. Dort werden die Gemeinschaften über eine angemessene letzte Ruhestätte entscheiden. Die Umsetzung des Restitutionsprozesses erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen der Fundación Pueblo Kawésqar, der Yagán- und Selk’nam-Gemeinschaften, dem Naturhistorischen Museum Basel sowie den zuständigen Behörden in der Schweiz und in Chile. Die Restitution versteht der Regierungsrat als verantwortungsvollen Beitrag zur Aufarbeitung der kolonialen Geschichte der Basler Museumssammlungen. 

Für die betroffenen indigenen Familien stellt diese Restitution nicht nur die Rückkehr ihrer Vorfahren dar, sondern auch einen wichtigen Schritt zur Wiederherstellung ihrer Würde, zur Anerkennung des Fortbestehens der Kawésqar und ihrer Kultur und zum Aufbau einer dauerhaften Vertrauensbeziehung mit den beteiligten Institutionen.

Hintergrundinformationen zu den Kawésqar

Die Kawésqar sind eine indigene Gemeinschaft von Seenomaden in den Kanälen und Fjorden des «Kawésqar Wæs», seit der Kolonisierung bekannt als das westliche Patagonien im heutigen Chile. Sie blicken auf eine über 6000-jährige Geschichte zurück, in der sie traditionell in Kanus lebten, jagten und fischten. Durch Kolonisation wurden sie im 20. Jahrhundert stark dezimiert.

Hinweise

Mehr Informationen: Ancestral Remains und halbtägige Dialogveranstaltung «Kawésqar-Restitution im Kontext: Geschichte, Zusammenarbeit und Prozesse kollektiver Heilung» am 11. September 2026, ab 09:00 im Naturhistorisches Museum Basel.

Weitere Auskünfte

Conradin Cramer

Regierungspräsident

Basil Thüring

Co-Direktor Naturhistorisches Museum Basel