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«Bevor du automatisierst, musst du verstehen»: Arbeiten mit dem neuen Mathbuch

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Seit Sommer 2025 ist der erste Band des neu überarbeiteten Mathbuch verfügbar. Die Sekundarschule Holbein setzt es in allen 7. Klassen ein. Was überzeugt? Worauf ist beim Einsatz zu achten? Im Gespräch berichtet die Lehrerin Andrea Rusch Hänzi von ihren Erfahrungen. Und die Fachexpertin Barbara Hohl-Krähenbühl vom PZ.BS erklärt, wieso Lehrpersonen beim neuen Mathbuch eine besonders wichtige Rolle innehaben.

Das neue Mathbuch
Selber herausfinden, wie es funktioniert: Mathbuch

Basler Schulblatt: Was zeichnet das neue Mathbuch aus?
Andrea Rusch Hänzi (A.R.H.): Der Ansatz ist anders. Bei anderen Lehrmitteln wird dir am Anfang eine Regel erklärt – «so funktioniert es». Hier müssen die Jugendlichen zuerst selbst herausfinden, wie etwas funktioniert, bevor sie Regeln anwenden und üben.

Barbara Hohl-Krähenbühl (B.H.K.): In der Didaktik spricht man von «Problem-Solving-Followed-by-Instruction», also Problemlösen vor der Anleitung. Viele Untersuchungen zeigen, dass das lernwirksam ist, weil es die Schülerinnen und Schüler aktiviert. Es wird nicht einfach Wissen reingestopft, sondern die Jugendlichen müssen selbst überlegen, mitdenken, mitarbeiten. Hier kann ein Lehrmittel viel anregen.

A.R.H.: Ich sehe das auch in der Praxis. Wenn du nur das Rezept kannst, passieren schnell Fehler. Das hilft den Schülern zwar für die nächste Prüfung, führt aber nicht zu echtem Verständnis. Und ohne Verständnis lernst du nicht langfristig.

B.H.K.: Das zeigt auch die Forschung eindeutig.

Was bietet denn das Mathbuch dafür an?
A.R.H.: Es gibt viele Aufgaben, wo man handeln kann: etwas ausschneiden, falten, würfeln oder verschieden geformte Gefässe mit immer gleich viel Wasser füllen und daraus einen Graphen zeichnen. Danach muss man zwar immer viel putzen, aber für das Verständnis ist das sehr wertvoll.

B.H.K.: Bei diesen offenen Aufgaben ist die Begleitung durch die Lehrperson zentral. Sie muss das Ausprobieren anleiten, die Schülerinnen und Schüler vorab überlegen lassen, Begründungen einfordern. Bevor du automatisierst, musst du verstehen. Dabei unterstützt der Lehrpersonenkommentar. Ohne das hat man einfach eine tolle Stunde mit viel Pflotsch, aber wenig Lerneffekt. 

A.R.H.: Man muss als Lehrperson wirklich verstehen, welches Ziel eine Aufgabe verfolgt, damit man die richtigen Hinweise geben kann, wenn die Jugendlichen irgendwo hängen. Das war schon bei der alten Ausgabe so.

B.H.K.: Im Lehrmittel wird ein vollständiger Lernprozess abgebildet, die Inszenierung der verschiedenen Themen ist State of the Art – und erst noch komplett kompatibel mit dem Lehrplan 21. Das Schönste finde ich eigentlich den Schluss: die Denkspuren.

Was sind Denkspuren?
B.H.K.: Die Schülerinnen und Schüler tragen in einem Heft noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Sie halten fest, was sie verstanden haben – vom Konzept über die Vorgehensweise bis zu Begriffen und Fakten. Die Empirie zeigt, dass solche «Selbsterklärungen» lernwirksam sein können.

A.R.H.: Ich nutze die Denkspuren in der Übungsphase vor einem Test. So können wir gemeinsam nachvollziehen: «Schau, das haben wir gemacht, das ist dabei herausgekommen.» Das hilft beim Erinnern. Wenn du ihnen nur das Rezept gibst, können sie diese Verknüpfung gar nicht machen.

Wie kommt das neue Mathbuch bei den Schülerinnen und Schülern an?
A.R.H.: Wenn die Kinder vorher nicht mit dem Zahlenbuch gearbeitet haben, braucht es schon ein Umdenken. Die Schülerinnen und Schüler können zuerst nicht verstehen, wieso sie begründen müssen. Das richtige Ergebnis allein reicht eben nicht! Wir wollen einerseits wissen, warum das so ist, und andererseits, wie die Person zu dem Ergebnis gekommen ist.

B.H.K.: Toll ist auch, dass es neben dem Buch und den Arbeitsheften ein breites digitales Angebot gibt. So haben Schülerinnen und Schüler Zugriff auf die Aufgaben beider Niveaus, also Grundanforderungen oder erweiterte Anforderungen. Sie können dort üben, wo sie stehen, und direkt Feedback erhalten. Damit kann man die Jugendlichen unterschiedlich abholen.

Haben Sie Tipps für Lehrpersonen, die jetzt mit dem neuen Mathbuch starten möchten?
A.R.H.: Man muss sich vorher einlesen und das Konzept dahinter verstehen und jede Aufgabe einmal selbst ausprobieren, damit man gut unterstützen kann. Und man braucht eine saubere Jahresplanung, damit man trotz Lager und Wandertagen gut mit den Themen durchkommt.

B.H.K.: Die Kinder müssen auch nicht alle Aufgaben lösen, es gibt niveaudifferenzierte Arbeitshefte und bei jeder Aufgabe ist der Schwierigkeitsgrad angegeben. So kann man gut individualisieren. Auf der Website des Mathbuch hat es zudem Webinare, die vieles erklären. Auch am PZ.BS bieten wir Einführungs- und Planungskurse an – damit der Start leichter fällt.

Interview von Stephanie Lori, PZ.BS

Das neue Mathbuch in Kürze

  • Seit dem Schuljahr 2025/26 ist der erste Band für die 7. Klasse erhältlich. Die Bände für die 8. und 9. Klasse folgen im Jahresrhythmus.
  • Jedes Thema startet mit kooperativ-spielerischen Aufgaben im Themenbuch.
  • Danach lernen Schülerinnen und Schüler selbstständig mit einem Arbeitsheft und/oder digital. Neu gibt es pro Schuljahr für jedes der acht Themen ein Heft für Grundanforderungen (G) und eines für erweiterte Anforderungen (E).
  • Im Denkspuren-Heft werden Erkenntnisse kompakt notiert und repetiert.
  • Ab 2027 erscheint für jedes Schuljahr ein Heft für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf.