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Von Aranka zu Frau Sinko

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Aranka Sinko unterrichtet Mathematik sowie Technik und Umwelt am KV Basel und leitet dort neu die Fachgruppe Mathematik. Sie hat sich bewusst fürs Unterrichten an der Berufsfachschule entschieden. Weibliche Lernende ermutigt sie, an ihr Potenzial zu glauben.

Aranka Sinko in einem modernen Klassenzimmer mit Berglandschaft-Bild an der Wand.
Aranka Sinko unterrichtet gerne Lernende an der Berufsfachschule, weil sie mitten im Leben stehen.

«Nach vier Jahren Primarschulzeit mussten wir uns bereits für eine Richtung entscheiden. Den Übertritt ins Progymnasium, das es in den 1990er-Jahren noch gab, empfand ich als einen grossen Sprung. Für mich war schnell klar: Ich gehe in Richtung Mathematik. Es hat mir einfach schon immer gefallen, weil es klare Antworten gibt. Entweder ist etwas richtig oder falsch. 

Am Anfang der Schulzeit waren wir noch mehrere, aber an der Matur war ich tatsächlich das einzige Mädchen in der Klasse. Bis ins Studium hat mich das nicht sonderlich gestört, auch wenn es vereinzelt schwierige Situationen gab, in denen ich mir Freundinnen an meiner Seite gewünscht hätte. Sicherlich wurde ich als Mädchen unterschätzt. Zudem hielt sich der Vorwurf, dass ich bessere Noten bekam, weil ich ein Mädchen war. Das war natürlich enttäuschend. Wir hatten damals ausschliesslich männliche Lehrer, bis auf die Sportlehrerin, das war eine Frau. Zum Glück hat sich das geändert und es gibt Vorbilder, die den Jugendlichen zeigen, dass man auch als Mädchen in die naturwissenschaftliche Richtung gehen kann. Hier am KV sind wir zwei Mathelehrerinnen und ein Mathelehrer. Damit senden wir eine wichtige Botschaft gerade an unsere weiblichen Lernenden: Glaubt an euch selbst und euer Potenzial. Vertraut darauf, dass ihr es schaffen könnt, und lasst euch nicht davon abhalten, auch wenn vielleicht eure Mütter oder andere weibliche Vorbilder das nicht geschafft haben. Traut euch euren Weg zu gehen, denn es ist euer Weg und ihr könnt Grossartiges erreichen.

Mit ungefähr 16 Jahren habe ich gespürt, dass ich gerne Lehrerin werden möchte. Ich war bereits Leiterin in einer Jungwacht Blauring und habe dort mit Jugendlichen zusammengearbeitet. Ich habe das einfach immer gerne gemacht, auch wenn es manchmal schwierig war aufgrund der vielen unterschiedlichen Kulturen. Ich konnte mir keinen Job vorstellen, bei dem ich jeden Tag am Bürotisch sitze. Im Studium der Mathematik und Physik habe ich schon alle Vorlesungen, die es als Vorbereitung fürs Lehramt braucht, besucht. Dann habe ich für zwei Jahre die pädagogische Ausbildung an der Fachhochschule angehängt. Parallel zur Ausbildung habe ich am Gymnasium Bäumlihof, meiner alten Schule, als Lehrerin unterrichtet. Jetzt bin ich seit zehn Jahren an der Berufsfachschule. Es gefällt mir gut, weil die Lernenden mitten im Leben stehen. Wir sehen sie nicht jeden Tag. Sie arbeiten ja noch im Betrieb, das ergibt eine andere Dynamik. Die Lernenden sind freiwillig hier, viele sind auch schon älter, bis Mitte 30, und haben die Passerelle oder die höhere Fachhochschule als klares Ziel vor Augen. Es ist spannend, den Unterschied wahrzunehmen, wenn man beide Wege kennt: Gymnasiastinnen und Lernende, die den Weg in die Berufswelt gewählt haben.

Gerade in Prüfungssituationen fühle ich mich an die eigene Schulzeit erinnert. Ich achte bewusst darauf, niemanden zusätzlich zu verunsichern. Noch bis ins Studium habe ich erlebt, dass mir Professoren während der Prüfungen über die Schulter auf meine Unterlagen geschaut und dabei den Kopf geschüttelt haben. Das möchte ich bewusst vermeiden, besonders in Mathe, wo viele eh schon unsicher sind. Mein Ziel ist es, die Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden möglichst gut auf die Abschlussprüfungen vorzubereiten. Der Erfolg zeigt sich am Ende, denn die meisten schaffen es. Ich möchte dazu beitragen, dass die Lernenden Freude an der Mathematik haben und positive Erlebnisse damit verbinden.

An meinem Beruf als Lehrerin schätze ich besonders, dass jeder Tag anders ist. Es kann sein, dass eine Klasse total muffig ist, nicht antwortet und ich weiss nicht, was los ist. Dann am nächsten Tag sind plötzlich alle motiviert und die Stimmung ist komplett anders, obwohl ich genau gleich unterrichte. Besonders schön ist, wenn die Lernenden am Schluss sagen: ‹Danke, dass Sie uns so gut vorbereitet haben.› Es zeigt, dass es sich lohnt, sich Zeit zu nehmen und die jungen Menschen zu unterstützen.»

Aufgezeichnet von Claudia Ribeiro Xavier und Maren Stotz, Foto: Claudia Ribeiro Xavier