«Das schaffen wir gut!»
NewsRechnen mit Muggelsteinen oder Memory spielen in der Kleingruppe: Die neuen zusätzlichen Ressourcen zur Weiterentwicklung der integrativen Schule ermöglichen im Kindergarten mehr Fördervormittage durch die zusätzliche Doppelbesetzung. Ein Besuch im Kindergarten Burgfelderstrasse 48 C.

In der zweiten Woche nach den Schulsommerferien ist im Kindergarten viel los. Die Hälfte der Kinder ist neu eingeschult worden und muss sich zurechtfinden. Gestartet wird der Vormittag mit individuellen Aufgaben. In der Garderobe steht ein kleiner Tisch, an dem Sarah Bäumle mit zwei Kindern Platz nimmt. In der Kleingruppe schafft die Kindergartenlehrerin Raum für intensive Sprachförderung: Spielerisch erweitern die Kinder ihren Wortschatz, verinnerlichen Spielregeln und üben den Umgang mit Erfolg und Misserfolg.
Ressourcen aus dem Massnahmenpaket
Möglich ist eine Förderung in der Kleingruppe, weil die zweite Kindergartenlehrerin Katrin Jankov an diesem Vormittag ebenfalls anwesend ist und in der Gruppe bleibt. Im Kindergarten der Burgfelderstrasse 48 C können die Kindergartenlehrpersonen seit dem Schuljahr 2025/26 vermehrt in einer Doppelbesetzung arbeiten. Diese zusätzlichen Ressourcen stammen aus dem Massnahmenpaket zur Weiterentwicklung der integrativen Schule. Jedem Schulstandort sind zusätzliche Lektionen zugesprochen worden. Diese Ressourcen müssen zusammen mit den vorhandenen Ressourcen für Doppelbesetzungen, Förderunterricht, Heilpädagogik oder andere Unterstützungsmassnahmen, wie zum Beispiel eine Assistenzperson, eingesetzt werden. Eine Doppelbesetzung in Form eines zusätzlichen Fördermorgens ist eine der möglichen Lösungen im Rahmen des Massnahmenpakets, wofür sich die Schulleitung vom Schulstandort Iseli entschieden hat. «Neu haben wir in jedem Kindergarten einen Fördermorgen zusätzlich», berichtet Pascal Steiger, Schulleiter im Iseli. Bisher hatte jeder Kindergarten zwei Vormittage mit Doppelbesetzung. Davon war der sogenannte Doppelmorgen für Ausflüge oder Teamteachings und der andere Vormittag als Fördermorgen vorgesehen. Der zusätzliche Vormittag in Doppelbesetzung fliesst direkt in die Förderung. «Und bei sozial schwachen Klassen haben die Ressourcen sogar für einen dritten Fördermorgen gereicht», fasst es der Schulleiter vom Iseli zusammen.
Mehr Zeit fürs Kind
In die Überlegungen zur optimalen Verteilung der Ressourcen zur Förderung der Schülerinnen und Schüler einbezogen war auch die Heilpädagogin Ursula Meier. «Wir hatten das diskutiert und besprochen, dass eine möglichst häufige Doppelbelegung die Heterogenität der Klasse am besten auffängt. Wenn man zu zweit ist, kann man wirklich individueller reagieren, das ist sehr wichtig», fasst sie zusammen. Katrin Jankov aus dem Team Kindergarten Burgfelderstrasse bestätigt mit ihren Erfahrungen aus dem letzten Jahr den Mehrwert der zusätzlichen Ressourcen: «Wenn wir zu zweit sind, haben wir viel mehr Zeit, auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Ich kann mich auch mal mit einer Kleingruppe für die Matheförderung zurückziehen.» Ein Vormittag allein mit bis zu 20 Kindern sei eine Gratwanderung: Die einen wüssten nicht, was die Aufgabe sei, während andere viel Hilfe benötigten. «Für das einzelne Kind ist es schön, weil viel mehr Ruhe eingekehrt ist», berichtet Katrin Jankov. Auch wenn Kinder mit herausforderndem Verhalten in der Gruppe sind, oder schwierige Situationen anstehen, sei das Team heute flexibler, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Dies bestätigt auch Teamkollegin Sarah Bäumle: «Wir haben jetzt auch mehr Zeit, die stillen Kinder mit Trennungsschwierigkeiten besser zu begleiten oder auf Elternfragen einzugehen.»

«Zufriedener und ruhiger»
Die vermehrte Doppelabdeckung erhöhe die Konstanz. «Jetzt sind wir immer zu zweit und jeder Morgen verläuft gleich bis auf den Montag», erzählt Sarah Bäumle. Die vier Tage in Doppelabdeckung hätten zu einer kleinen Erhöhung der Pensen geführt. Es sei der Wunsch, so Pascal Steiger, dass möglichst viel im Team abgedeckt wird. Bei Sarah Bäumle und Katrin Jankov brauchte es eine dritte Lehrperson für einen weiteren Fördermorgen. Für Sarah Bäumle ist diese Lösung «sehr nah am Ideal: Unsere Kollegin ergänzt unser Team passend und die wenigen Übergaben funktionieren gut. Ausserdem sind wir häufiger gemeinsam am Vormittag vor Ort und erfahren so, was gelaufen ist und können dies viel direkter abfangen.» Auf den direkten Vergleich angesprochen, was die erhöhte Doppelabdeckung für sie als Lehrperson konkret gebracht habe, antwortet Katrin Jankov: «Ich bin zufriedener und ruhiger als vor zwei Jahren.» Schwierige Kinder und herausfordernde Situationen hätten bei der erfahrenen Kindergartenlehrperson früher schon auch mal ein schlechtes Gefühl ausgelöst an einem Morgen, den sie allein mit der Klasse hatte. Heute habe sie immer nur ein Gefühl: «Das schaffen wir gut!» Auch Teamkollegin Sarah Bäumle findet für die Veränderung ähnliche Worte: «Je nach Klassenzusammensetzung war es bisher gar nicht machbar.» Pascal Steiger spricht von den zusätzlichen Massnahmen als bedarfsgerechter Anpassung. «Wir haben je nach Standort einen hohen Sozialindex.» Viele Situationen seien früher mit einer Vorpraktikantin oder einem zusätzlichen Assistenten gelöst worden. «Heute ist es homogener, weil das Kind besser vom Team getragen und aufgefangen wird», so Pascal Steiger. Gerade für Kinder, die Mühe haben, sich im Regelunterricht zurechtzufinden, führe dies schliesslich zu einer viel schnelleren Integration.
Text: Maren Stotz, Fotos: Grischa Schwank
Mehr Ressourcen für die Kindergärten
Der Grosse Rat hat im September 2024 dem Massnahmenpaket zur Verbesserung der integrativen Schule zugestimmt. Die Massnahmen sollen Schulen dabei unterstützen, besser auf unterschiedliche Lernvoraussetzungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern einzugehen. Zur Förderklasse in der Primarstufe Hirzbrunnen ermöglicht das Interview mit Schulleiter Thomas Grossenbacher Einblicke in die ersten Erfahrungen. ((Link folgt))
Für die Kindergartenstufe wurden zusätzliche Förderressourcen gesprochen. Diese müssen zusammen mit den bestehenden Ressourcen für Förderung oder unterstützende Massnahmen im Kindergarten eingesetzt werden. Wie sie konkret genutzt werden, entscheidet die Schulleitung aufgrund des Bedarfs am jeweiligen Standort. Möglich sind beispielsweise zusätzliche Doppelabdeckungen, mehr Schulische Heilpädagogik oder der Einsatz weiterer Fachpersonen. Die Höhe der zusätzlichen Ressourcen richtet sich nach dem Sozialindex. Der Schulstandort Iseli hat damit seit Schuljahr 2025/26 die Doppelabdeckung im Kindergarten erhöht: Jeder Kindergarten hat mindestens einen zusätzlichen Fördermorgen. Je nach Sozialindex stehen weitere Ressourcen zur Verfügung.