Digitalisierung «à la romande»
NewsIn Basel-Stadt gehört ein eigenes Tablet mit Tastatur zur Grundausstattung der obligatorischen Schulzeit. Jedes Kind bekommt in der 5. Primarschulklasse ein eduBS-Book. Später, in der Sekundarstufe II, muss jede Schülerin und jeder Schüler ein eigenes Gerät in die Schule bringen. Ganz anders im Kanton Waadt. Dort sind Stift und Papier präsenter als Bildschirme.

Nach den Sommerferien hat Milo eine neue Etappe in seiner Schullaufbahn begonnen. Er besucht nach einem Auslandaufenthalt nun das Gymnase de Renens. Einen eigenen Computer brauche er nicht, sagt der 17-Jährige: «Manchmal sagen uns die Lehrpersonen, wir sollen unser Handy mitnehmen, um es im Unterricht zu benutzen. Beispielsweise um im Internet zu recherchieren.» Eine Ausnahme war die Maturarbeit. Die hat er am Computer geschrieben. «Wir arbeiten mit Papier und Stiften. Bei Prüfungen gibt es Ausnahmen für Jugendliche mit Dyslexie.» Einen Nachteil sieht Milo nicht: «Für mich ist es normal. Wir benutzen auch regelmässig die Computerräume und im Informatikunterricht lernen wir, mit Computern umzugehen.»
Es geht auch ohne
Auch Pierre Dubois*, Lehrer in einem Gymnasium im Kanton Waadt, sieht keinen Nachteil darin, dass seine Schülerinnen und Schüler keine eigenen Laptops auf ihren Pulten haben. «Es gibt mobile Geräte im Schulhaus. Diese kann man bei Bedarf ausleihen. Aber ich lasse meine Klassen gerne mit Heften und Übungsblättern arbeiten. Lernen am Bildschirm funktioniert meiner Meinung nach nicht so gut. Ein Bildschirm lenkt schnell ab. Lernen funktioniert für mich am besten mit Papier und Stift und in der Interaktion.»
Beim Kanton Waadt ist Sacha Horovitz Spezialist für den digitalen Wandel. Während die meisten Deutschschweizer Gymnasien wie in Basel-Stadt nach dem Prinzip BYOD (Bring Your Own Device) arbeiten, entscheiden im Kanton Waadt meist die Lehrpersonen, wie gearbeitet werde. In den Gymnasien dürfen die Schülerinnen und Schüler ihre Geräte mitbringen, wenn die Lehrpersonen dies erlauben. Sacha Horovitz berichtet auch von Koffern mit Laptops an den Schulstandorten, die die Lehrpersonen für ihre Klassen ausleihen können. Oder die Schülerinnen und Schüler würden mit ihren persönlichen Smartphones arbeiten, wenn dies die Lehrperson einplane, so der Spezialist aus dem Kanton Waadt.
In Basel-Stadt schreiben Maturandinnen und Maturanden seit letztem Jahr sogar ihre Abschlussprüfungen auf ihrem persönlichen Laptop. Der Kanton nimmt damit eine Pionierrolle in der Schweiz ein. Der Gymnasiallehrer Pierre Dubois sagt, er prüfe in Präsenz, mit Papier und Stift und öfters auch mündlich. Dies auch wegen der künstlichen Intelligenz.
Geräte stehen zur Verfügung
Ein eigenes Gerät zum Arbeiten haben in Lausanne auch die Jüngeren nicht. Am Collège des Bergières besuchen Kinder und Jugendliche die 7. bis 11. Klasse. Dies entspricht in Basel-Stadt den letzten beiden Primarschuljahren und der Sekundarstufe I. Seit zwei Jahren gibt es auf der Primarstufe fünf Tablets pro Klassenzimmer. Wenn alle Schülerinnen und Schüler ein Gerät brauchen, könne man diese von anderen Lehrpersonen ausleihen, erklärt Liliane Scheidegger. Sie ist Mitglied der Schulleitung am Collège des Bergières und unterrichtet Deutsch auf Primarstufe. «Im Deutschunterricht benutze ich die Computer nur etwa einmal im Monat. Ich arbeite häufig mündlich mit den Schülerinnen und Schülern. Aber für Wortschatz- und Projektarbeit sind die Tablets hilfreich. Oder auch mal für ein Spiel. Es ist unkompliziert, die Geräte von Kolleginnen und Kollegen im Schulhaus auszuleihen. Insgesamt werden sie stark genutzt.» Die Lehrpersonen würden seit zwei Jahren auch systematisch weitergebildet. Diese Weiterbildungsoffensive sei noch im Gang. Mit der Ausstattung der Schülerinnen und Schüler seien die Lehrpersonen grundsätzlich zufrieden, sagt Liliane Scheidegger. Obwohl es manchmal praktisch wäre, wenn ältere Schüler auch einen Schulcomputer mit nach Hause nehmen könnten.
Klare Regeln für private Geräte
Die Mediennutzung generell beschäftigt auch im Kanton Waadt die Lehr- und Fachpersonen. Vor allem die Ablenkung durch die privaten Handys sei ein Thema, sagt Lehrer Pierre Dubois. Er selbst sei der Meinung, am Gymnasium müssten die Schülerinnen und Schüler auch Eigenverantwortung zeigen. Nichtsdestotrotz sind die Regeln klar. In den Schulen auf der Sekundarstufe II müssen private Geräte ausgeschaltet und verstaut sein. Ausnahme ist, wenn die Geräte im Unterricht gebraucht werden. In der Waadt setzt man, anders als in Basel-Stadt, auch auf Sekundarstufe II auf kantonal verbindliche Regeln.
Und bei den Jüngeren, am Collège des Bergières gelten ebenfalls die kantonalen Regeln. Handys und andere Geräte sind in Taschen oder Schliessfächern verstaut. Klingelt ein Handy während der Schulzeit, wird es ins Sekretariat gebracht. Die Eltern bekommen per Post einen Brief. Die Schülerin oder der Schüler kann sein Handy erst mit der Unterschrift der Eltern abholen.
Text: Marlène Sandrin
* Name von der Redaktion geändert
Digitalisierung in der regionalen Politik
Seit Sommer 2026 gelten an der Volksschule Basel-Stadt verbindliche Regeln für die Nutzung privater elektronischer Geräte. Sie sind in einer Weisung vom 2. Juni 2026 festgehalten.
Gleichzeitig gibt es weitergehende Forderungen: Die Petition «Für eine smartphonefreie Schulkultur» fordert kantonal verbindliche Richtlinien für digitale Geräte. Ein offener Elternbrief verlangt klare Regeln für den Umgang mit Social Media und KI an den Schulen von Basel-Stadt.
Im Kanton Basel-Landschaft wird das Stimmvolk über den Einsatz digitaler Geräte an den Primarschulen entscheiden. Mit ihrer Initiative will der Verein «Starke Schule beider Basel» diesen stark einschränken. Konkret sollen Kinder in den ersten vier Primarschuljahren konsequent auf digitale Geräte verzichten. Die Initiative wurde Anfang August 2026 eingereicht.