Ein Blick über die Grenze
NewsAndere Schule, neue Perspektiven: Beim Austausch mit Schulen in St. Louis sammeln Lehrpersonen aus Basel-Stadt neue Erfahrungen und knüpfen Kontakte für die Zukunft.

Austausch und Neugier erweitern den eigenen Horizont. Das gilt für ziemlich alle Bereiche des Lebens und somit auch für das Bildungswesen. Deshalb organisiert das Pädagogische Zentrum PZ.BS zusammen mit den Schulen aus dem grenznahen Elsass jedes Jahr das Programm «Oberrhein-Hospitationen» für Lehrpersonen. Ziel ist es, Kontakte zu knüpfen, Neues zu lernen und inspiriert und motiviert an die eigene Schule zurückzukehren.
In diesem Frühjahr hat der Austausch für Sekundarlehrpersonen mit dem Collège René Schikelé und für Primarlehrpersonen an der Primarschule Bourgfelden stattgefunden. Beide Schulen sind in St. Louis. «Der Ort war super, weil er so einfach mit dem Tram erreichbar ist», sagt Bernadette Trommer, Fachexpertin Fremdsprachen am Pädagogischen Zentrum PZ.BS und kantonale Austauschverantwortliche in Basel-Stadt.
Lernen durch den Vergleich
Der Schulbesuch, der im Zentrum des Austausches steht, dauert in den meisten Fällen einen Tag. Im Frühling waren zehn Lehrpersonen aus den beiden Basel in St. Louis zu Gast und konnten den französischen Schulalltag selbst erleben und beobachten. «Die Form des Besuchs ist sehr frei. Die Lehrpersonen können ihre eigenen Schwerpunkte setzen und den Austausch frei gestalten», erklärt Trommer, die für die Organisation des Austausches verantwortlich ist. Die Hospitation fördere die interkulturellen Kompetenzen und baue vorhandene Sprachbarrieren und Hemmungen ab.
Bereits zum zweiten Mal teilgenommen hat Laura Krieger, Französischlehrerin an der Sekundarschule Rosental. Sie will durch die Hospitation das aktuelle französische Schulsystem besser verstehen. Krieger ist selbst in Frankreich aufgewachsen und zur Schule gegangen und kann deshalb sogar noch den Vergleich zu ihrer eigenen Schulzeit ziehen. «Im Austausch lerne ich, was ich im eigenen Unterricht verbessern kann, aber auch, was in Basel-Stadt schon sehr gut läuft», erzählt die Sekundarschullehrerin.
Kontakte für die Zukunft
Den grössten Unterschied zu Basel-Stadt stellt Krieger in der Zugänglichkeit der Schule fest: «Das Tor zum Schulareal muss jeden Morgen geöffnet werden. Auch gibt es während eines Schultages in Frankreich mehr Unterbrüche. Insgesamt funktioniert die Schule in Basel fliessender, und die Schülerinnen und Schüler geniessen mehr Freiheiten.» Französische Lehrpersonen würden oft die Infrastruktur an Basler Schulen enorm schätzen. Umgekehrt ist Krieger von der Ausstattung der französischen Schulbibliothek begeistert.
Wegen der neu gewonnenen Kontakte kann sich Laura Krieger auch einen Klassenaustausch oder eine gemeinsame Exkursion mit einer Klasse aus St. Louis vorstellen. «Die Nähe macht einen unkomplizierten Ausflug möglich», sagt sie. Klassenaustausche und andere Formen der Zusammenarbeit sind ein weiteres Ziel des Programms, sagt auch Bernadette Trommer.
Eine Teilnahme ist für Primar- und Sekundarlehrpersonen aus Basel-Stadt möglich. Das Programm richtet sich explizit nicht nur an Sprachlehrpersonen. Auch in anderen Fächern können Lehrpersonen von neuen Ideen profitieren. «Gerade in kreativen Fächern wie Musik und Bildnerischem Gestalten kann ich mir einen Austausch als sehr wertvoll vorstellen», sagt Krieger.
Text: Rafael Hunziker, Pädagogisches Zentrum, PZ.BS, Foto: Laura Imbrogiano
Austausch zwischen den Sekundarstufen I und II
Ein Blick über Grenzen ermöglicht auch der Austausch zwischen Lehrpersonen der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II. Hospitationen, Teamteaching oder das gemeinsame Besprechen von Unterrichtsmaterialien kann das Verständnis für die jeweils andere Stufe vergrössern und so den Übergang für Schülerinnen und Schüler erleichtern. Lehrpersonen der Sekundarstufen, die an einem solchen Austausch interessiert sind, wenden sich an ihre Schulleitung.