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Mit Händen, Füssen und Kunst

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Wie lernt man eine Sprache? Die Schülerinnen und Schüler einer Basler Primarklasse fanden es beim Austauschprojekt «Parlons Kunst» heraus. Gemeinsam mit einer französischen Partnerklasse erlebten sie, dass Sprache vor allem dort entsteht, wo Menschen einander begegnen.

Vier Personen stehen vor bunten Wandbildern.
© Nicolas Wolf

Der Regen prasselte auf das Dach des Unterstands beim Stade de l’Au in der Petite Camargue Alsacienne, doch die Kinder aus Basel und Kembs liessen sich davon nicht aufhalten. Während einige Fussball spielten, versuchten andere beim gemeinsamen Picknick erste Worte in der jeweils anderen Sprache auszutauschen. Was zunächst noch schüchtern begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu freundschaftlichen Begegnungen. Genau darum geht es beim Projekt «Parlons Kunst».

Ausgangspunkt war ein Briefaustausch zwischen der Klasse von Claudia Gradinger an der Primarschule Brunnmatt und einer französischen Partnerklasse von Lehrerin Odile Basler aus Kembs. Über Monate schrieben sich die Kinder gegenseitig Briefe auf Deutsch und Französisch. Irgendwann entstand der Wunsch, sich auch persönlich kennenzulernen. «Es war lustig, das Mädchen, das die Briefe geschrieben hat, plötzlich zu sehen», erzählt Clara rückblickend. «Im Brief war sie mir voll sympathisch und als ich sie dann kennengelernt habe, war sie ein bisschen schüchtern.»

Die ersten Treffen führten schliesslich zur Teilnahme an «Parlons Kunst». Ziel dieses Projekts ist es, Kinder aus der Region über Sprache, Kunst und gemeinsame Erlebnisse miteinander in Kontakt zu bringen. Statt Vokabeltests und Arbeitsblätter stehen Begegnungen im Mittelpunkt. Für Lehrerin Claudia Gradinger liegt genau darin die Stärke solcher Projekte: «Die Vorteile sind sicher, dass die Kinder merken, dass eine Sprache etwas mit Beziehung zu tun hat.» Sprache werde nicht abstrakt gelernt, sondern im direkten Austausch erlebt, spontan, lebendig und oft auch improvisiert.

Kinder zeichnen auf einem grossen farbenfrohen Poster.
© Bérénice Logel

Mit Kunst ins Gespräch kommen

Besonders sichtbar wurde dies bei den gemeinsamen Besuchen im Kunstmuseum Basel und in der Fondation Fernet-Branca in Saint-Louis. Dort arbeiteten die Kinder in gemischten Gruppen, beschrieben Kunstwerke auf Deutsch oder Französisch, versuchten Beschreibungen in der jeweils anderen Sprache zu verstehen, zeichneten Bilder nach und gestalteten grosse Collagen. Kunst wurde dabei zu einer gemeinsamen Sprache, auch wenn nicht immer jedes Wort verstanden wurde. Schülerin Franca beschreibt, wie die Verständigung funktionierte: «Ich habe versucht, Französisch zu reden. Und wenn ich etwas sagen wollte und nicht wusste wie, habe ich es auf Deutsch gesagt. Und wenn die Schülerin aus Kembs es nicht verstanden hat, dann mit Händen und Füssen.»

Gerade diese ungezwungenen Momente machten den Austausch für viele besonders wertvoll. Beim gemeinsamen Spielen, Basteln oder Diskutieren über Kunst entstanden neue Kontakte fast nebenbei. Die Kinder merkten schnell, dass Kommunikation nicht perfekt sein muss, um einander zu verstehen. Auch Unterschiede wurden sichtbar. Während einige Gruppen sehr frei und spontan arbeiteten, gestalteten andere ihre Kunstwerke eher sorgfältig und geplant. Gerade diese verschiedenen Herangehensweisen sorgten immer wieder für Gesprächsstoff bei den Kindern, verbal und nonverbal.

Für die Schülerinnen und Schüler war der Austausch vor allem motivierend. Französisch wurde plötzlich nicht mehr nur zur Schulsprache, sondern zu etwas, das man tatsächlich anwenden konnte. Gleichzeitig lernten die Kinder auch die Nachbarregion besser kennen und erlebten, wie bereichernd Begegnungen über die Grenze hinweg sein können. Am Ende blieben nicht nur grosse Collagen und Erinnerungen an Museumsbesuche oder Fussballspiele im Regen. Es blieb auch die Erfahrung, dass Sprache dort am lebendigsten wird, wo Menschen einander wirklich begegnen.

Text: Tamara Funck

Parlons Kunst

Am erstmals durchgeführten Projekt «Parlons Kunst» beteiligten sich mehrere Schulstandorte aus Basel-Stadt und Basel-Landschaft, darunter die Primarschulen Brunnmatt, Wasgenring, Dreirosen, Volta, Therwil und Allschwil. Das Begegnungs- und Austauschprogramm verbindet Sprachenlernen mit Kunst und fördert den grenzüberschreitenden Austausch zwischen Schulklassen aus der Region Basel und dem Elsass. Lehrpersonen aus Basel-Stadt und dem grenznahen Frankreich entwickeln gemeinsam Ideen für kreative Sprachbegegnungen und setzen diese anschliessend mit ihren Klassen um. Zusätzliche Informationen zur nächsten Durchführung werden voraussichtlich im August 2026 veröffentlicht. Weitere Informationen zu «Parlons Kunst» und zu weiteren Sprachbegegnungen: https://www.edubs.ch/unterricht/sprachbegegnung/austausch/gruppenaustausch