Neue Erkenntnisse für den Schutz des Trinkwassers
NewsDie Qualität des Trinkwassers aus den Langen Erlen hängt nicht nur von der Aufbereitung des geförderten Grundwassers ab. Auch die Qualität des Wassers in der Wiese spielt eine wichtige Rolle. Ein interregionales Forschungsprojekt hat untersucht, wie Spurenstoffe aus Kläranlagen über die Wiese ins Grundwasser gelangen können und welche Bedeutung dies für die Trinkwasseraufbereitung hat.

Die Abwasserreinigungsanlagen im Wiesental leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Gewässer im Einzugsgebiet der Wiese. Sie entfernen einen grossen Teil der Schadstoffe aus dem Abwasser. Gleichzeitig gelangen neben klassischen Nähr- und Schadstoffen zunehmend auch Mikroverunreinigungen wie PFAS, Arzneimittelrückstände, Industriechemikalien und weitere schwer abbaubare Stoffe in die Kläranlagen. Ein Teil dieser Stoffe wird in den heutigen Reinigungsstufen zurückgehalten oder abgebaut, andere gelangen jedoch mit dem gereinigten Abwasser in die Wiese.
Für die Trinkwasserversorgung der Region ist dies relevant, weil die Wiese im Bereich der Langen Erlen eine wichtige Rolle bei der Grundwasserneubildung spielt. Durch die künstliche Grundwasseranreicherung mit Wiese-Wasser können im Fluss vorhandene Stoffe – trotz natürlicher und technischer Reinigungsprozesse – ins Grundwasser gelangen. Die Qualität des Trinkwassers hängt deshalb nicht allein von der Aufbereitung des geförderten Grundwassers ab. Entscheidend ist auch die Qualität des Wiese-Wassers sowie die Belastungen im gesamten Einzugsgebiet.
Um besser zu verstehen, wie gross dieser Stoffeintrag ist, wurde im Rahmen des Interreg-Projekts ERMES-II-Rhein untersucht, wie sich Spurenstoffe aus Kläranlageneinleitungen über die Oberflächengewässer bis ins Grundwasser ausbreiten. Dazu wurden Wasserproben aus Fliessgewässern, Grundwasser und den Ausläufen von Kläranlagen entnommen. Mit erweiterten Analysemethoden (Non-Target-Screening) wurde nach neuen und bisher nicht untersuchten Spurenstoffen gesucht. Im Fokus standen PFAS, Arzneimittelrückstände, Pestizidmetaboliten und weitere organische Spurenstoffe. Die Probenahmen fanden sowohl bei Niedrig- als auch bei Hochwasser statt. So konnte untersucht werden, ob es bei variierenden Pegelständen Unterschiede beim Austausch zwischen Wiese und Grundwasser gibt.
Das ERMES-Rhein-Projekt vereint rund ein Dutzend Partner aus sechs Verwaltungsgebieten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz In jedem dieser Teilräume des Projekts wurden Messkampagnen durchgeführt. Dabei mussten die Analysemethoden, Auswertungen und Datensätze harmonisiert werden, um eine gemeinsame grenzüberschreitende Auswertung zu ermöglichen. Insgesamt wurden 181 Parameter an 1'497 Messstellen untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Mikroverunreinigungen im Grundwasser des Oberrheingrabens weit verbreitet sind. Die Belastung in der Wiese unterscheidet sich bei Niedrig- und Hochwasser entgegen bisheriger Annahmen nur wenig. Sowohl bei Hoch- als auch bei Niedrigwasser wurden Stoffe nachgewiesen, die eindeutig auf Einleitungen aus Kläranlagen zurückzuführen sind. Am häufigsten wurden Rückstände von Arzneimitteln, Pflanzenschutzmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gefunden.
Auch im Grundwasser konnte ein – allerdings deutlich geringerer – Anteil der nachgewiesenen Stoffe auf Einträge aus Kläranlagen zurückgeführt werden. Gleichzeitig wurden viele der Stoffe, die bei der Kläranlage Steinen in den Gewässer- und Grundwasserproben nachgewiesen wurden, bereits oberhalb der Kläranlage festgestellt. Dies deutet darauf hin, dass es weitere Eintragsquellen weiter flussaufwärts gibt. Woher diese Stoffe genau stammen, muss noch untersucht werden.
Für den Trinkwasserschutz in den Langen Erlen bedeutet dies, dass nicht nur die Qualität des geförderten Grundwassers überwacht und die Analytik laufend angepasst werden muss. Entscheidend ist vielmehr, die gesamte Wirkungskette zu betrachten. Dazu gehört insbesondere, die Eintragsquellen im Einzugsgebiet der Wiese zu erfassen und – wo möglich – zu reduzieren.
In der Schweiz ist seit Anfang 2016 eine vierte Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroverunreinigungen für grosse Kläranlagen ab 80'000 Einwohnerinnen und Einwohnern vorgeschrieben. Die Kläranlage Steinen in Deutschland ist auf 75'000 Einwohner ausgelegt und unterliegt dieser Vorgabe deshalb nicht.
Ein Ausbau der Kläranlage Steinen um eine vierte Reinigungsstufe könnte dennoch einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität leisten. Für den langfristigen Schutz der Trinkwasserressourcen in den Langen Erlen ist es deshalb sinnvoll, auch solche Massnahmen im gesamten Einzugsgebiet der Wiese zu prüfen. Nur so lässt sich die hohe Qualität des Trinkwassers langfristig sichern.
Hinweise
Mehr Informationen zum ERMES-Projekt finden sich unter:
Weitere Auskünfte
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