Noten für alle(s)
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Noten gab es zuerst in der Schule. Heute gibt es praktisch überall Noten, auf dem Fussballplatz, im Restaurant und eigentlich bei fast jeder Dienstleistung, die – kaum erbracht – online bewertet werden soll.
Aber warum ist eigentlich noch nie jemand auf die Idee gekommen, auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler zu bewerten? Dabei werden diese ja immer aktiver: Am Morgen fahren sie ihre Liebsten zur Schule, am Mittag wird gekocht, bevor sie sich dann an die Aufgaben machen – besonders beliebt ist dabei das Erstellen von perfekten Vorträgen, dafür braucht es die Kinder gar nicht unbedingt.
Highlights sind dann natürlich die Elternabende – da kann man sich so richtig beweisen mit schlauen Fragen und Kommentaren. Besonders beliebt sind nicht nur unnötige Fragen, sondern auch langfädige Zusammenfassungen kurz vor Schluss der Veranstaltung, dabei beginnt zu Hause in wenigen Minuten die Fussballübertragung… Zurückhaltung gibt’s am Elternabend eigentlich nur beim Mitmachen in der Schulkommission, man hat ja schliesslich schon genug zu tun für die Schule.
Die Note für ein solches Verhalten? Absolut ungenügend! Bevor Sie nun aber ein erbostes E-Mail schreiben: Selbstverständlich sind die meisten Eltern absolut vorbildlich und verdienen eine gute Note.
Darüber hinaus muss ich ehrlicherweise zugegeben, dass ich auch schon ein Spinnenprotokoll für meine Tochter verfasst habe – über die Note war ich dann aber doch etwas enttäuscht. Dabei habe mir so viel Mühe gegeben…!
Jakob Gubler
Der Autor
Jakob Gubler arbeitete während fast 30 Jahren als stellvertretender Basler Regierungssprecher. Noch länger begleitete er den FC Basel als Fussballkommentator. Seit seiner Pension im Frühjahr 2026 bietet er als Freelancer zusammen mit René Häfliger Medientrainings an und schreibt Texte.