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Remi – ein Rückzugsort im Schulzimmer

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Gruppenarbeit, Lerninseln, individuelle Förderung: Der Unterricht hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Damit wachsen auch die Anforderungen an Schulräume und Mobiliar. Mit Remi wurde ein kleines, flexibles Rückzugshäuschen entwickelt, das Schülerinnen und Schülern Raum für konzentriertes Arbeiten oder kurze Pausen bietet – und gleichzeitig aus wiederverwendetem Material hergestellt wird.

Designer-Raumteiler mit Ausschnitten und Würfelhockern auf Fliesenboden.

Die Idee für Remi entstand aus einem konkreten Bedarf der Schulen. Immer wieder wurden sogenannte Lernwaben angefragt – wabenförmige Nischen, in denen Kinder arbeiten können. Diese werden jedoch fest eingebaut und lassen sich später kaum mehr verändern. In Schulräumen, die heute häufig umgestaltet oder neu genutzt werden, ist eine solche fixe Lösung wenig flexibel.

Deshalb wurde das Remi als mobiles Element entwickelt. Das kleine Häuschen bietet Platz für zwei Kinder – bei jüngeren Schülerinnen und Schülern auch für drei. Eine geschlossene Rückwand sorgt für eine ruhige Atmosphäre, während die vordere Seite mit einer Schiebewand versehen ist. So haben Kinder einen geschützten Rückzugsort, während Lehrpersonen weiterhin einen Blick hineinwerfen können.

«Wir haben immer wieder gehört, dass Schulen sich Rückzugsmöglichkeiten für Kinder wünschen – Orte, an denen sie kurz abschalten oder konzentriert arbeiten können», sagt Tobias Moser, Fachstellenleiter Mobiliar im Erziehungsdepartement Basel-Stadt.

Die Häuschen sind etwa so gross wie ein Schultisch und lassen sich flexibel im Raum platzieren. Mehrere Remis können miteinander verbunden oder auch als Raumtrenner eingesetzt werden. Im Gellert kommen sie derzeit in den ersten zwei Jahren der Primarschule zum Einsatz, während im Kindergarten eine stärker spielerisch gestaltete Variante – das Spielhaus – verwendet wird.

Modell eines Hauses mit Kissen und Dominosteinen.

Neue Unterrichtsformen, neue Raumbedürfnisse
Der Bedarf an solchen Rückzugsorten hängt eng mit den Veränderungen im Unterricht zusammen. In vielen Klassen hat sich die Unterrichtsform in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Auch die integrative Schule hat neue Anforderungen an die Lernumgebung mit sich gebracht. Kinder werden zeitweise in kleineren Gruppen oder einzeln gefördert – sei es, weil sie zusätzliche Unterstützung benötigen oder weil sie besonders gefordert werden sollen.

Damit verändern sich auch die Anforderungen an das Mobiliar im Klassenzimmer. Neben klassischen Arbeitsplätzen entstehen vermehrt Bereiche für Gruppenarbeiten und Kreisgespräche. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Orten, an denen Kinder sich kurz zurückziehen können – etwa zum Lesen, Nachdenken oder für konzentriertes Arbeiten.

«Früher waren viele Schulzimmer sehr klassisch eingerichtet. Heute arbeiten Klassen viel häufiger in Gruppen. Dafür braucht es auch neue Raumangebote», erklärt Tobias Moser.

Neue Möbel aus alten Tischplatten
Ein besonderer Aspekt des Projekts Remi ist die Herstellung. Die Remis werden aus Tischplatten gefertigt, die im Rahmen der Standardisierung des Schulmobiliars ausgemustert wurden. Anstatt das Material zu entsorgen, werden die Platten weiterverarbeitet und erhalten eine neue Funktion. Dadurch bestehen die Lernhäuschen nahezu vollständig aus wiederverwendetem Material. 

Dieser Kreislaufgedanke wird beim Schulmobiliar zunehmend umgesetzt. Nicht mehr benötigte Möbel werden gesammelt, geprüft und wenn möglich wiederverwendet. Auch andere Projekte zeigen dieses Prinzip: Aus zurückgegebenen Wolldecken wurden beispielsweise Sitzsäcke hergestellt, und aus Restholz entstehen Spielmaterialien wie grosse Dominosteine oder Bauklötze.

Modernes Wohnzimmer mit Stuhl, Kissen und Brettspiel.

Erste Erfahrungen aus dem Gellert
Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen sind positiv. Bei der Primarstufe Gellert, wo Remis seit letztem Sommer im Einsatz sind, berichten Lehrpersonen von guten Erfahrungen – teilweise mit dem Wunsch, in jedem Klassenzimmer einen solchen Rückzugsort zu haben. Auch aus mehreren Kindergärten, in denen Spielhaus-Varianten stehen, kommen ähnliche Rückmeldungen.

Wenn sich das Konzept bewährt, soll Remi künftig in den offiziellen Möbelkatalog aufgenommen werden. Schulen könnten es dann bei Neueinrichtungen oder bei Anträgen für Kleininvestitionen direkt auswählen und beantragen.

Für die Schule von morgen
Mit rund 80 betreuten Gebäuden und über 50 Standorten im Kanton Basel-Stadt spielt die Gestaltung der Lernumgebung für die Fachstelle Mobiliar eine wichtige Rolle. Projekte wie das Remi zeigen, wie pädagogische Bedürfnisse, flexible Raumgestaltung und nachhaltige Materialnutzung zusammenkommen – und wie aus alten Tischplatten neue Lernorte entstehen.

Text: Tamara Funck, Fotos: Bigla AG, Urs Bigler

Fachstelle Mobiliar

Die Fachstelle Mobiliar im Erziehungsdepartement Basel-Stadt ist für das gesamte Schulmobiliar zuständig – vom Kindergarten bis zur Berufsbildung. Sie plant und betreut die Einrichtung von Klassenzimmern, Büros und Fachräumen und koordiniert grössere Mobiliaraustausche sowie Umzüge im Rahmen von Bauprojekten. Das sechsköpfige Team arbeitet eng mit Schulleitungen, Hauswarten und Projektleitungen Schulraum zusammen. Neben der Planung neuer Einrichtungen kümmert sich die Fachstelle auch um Unterhalt, Ersatz und Lagerbewirtschaftung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Wiederverwendung von Möbeln: Ausgedientes Mobiliar wird, wenn möglich, repariert, eingelagert oder an anderen Schulstandorten weiterverwendet.