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Spielraum, wo Platz knapp ist

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Der Bedarf an Tagesstrukturplätzen steigt, der Raum bleibt knapp. Am Holbeinplatz 7 entsteht ein neuer Standort für Betreuung und Förderung. Er zeigt, wie Schulraumplanung auf wachsende Anforderungen reagiert.

Innenraum mit Holzstufen und Polstern unter Fenstern.
Das Konzept der Innenraumgestaltung der Tagesstruktur sieht eine Sitzlandschaft vor. Grafik: Aebli Zimmermann

Die Zahl der Kinder in den Tagesstrukturen des Kantons Basel-Stadt nimmt seit Jahren zu. Die Fachstelle Tagesstrukturen und mit ihr die Volksschulleitung gehen davon aus, dass dieser Trend anhalten wird. Ihre Prognosen stützen sich auf Schülerprognosen sowie auf jene der Arealentwicklungen. Für viele Familien ist ein Platz in der Tagesstruktur entscheidend für ihren Alltag. Ob ein Angebot möglich ist, hängt vom Zeitpunkt der Anmeldung und von den verfügbaren Kapazitäten ab. In einzelnen Quartieren bringt die räumliche Situation dabei besondere Herausforderungen mit sich – vor allem in der dicht bebauten Innenstadt. Tagesstrukturen brauchen mehr als einen Essraum. Rückzugsorte, Spiel- und Bastelräume sowie genügend Sanitäranlagen gehören ebenso dazu. Entsprechende Räumlichkeiten sind in der Innenstadt schwer zu finden.

Engpässe über Mittag
«Der grösste Engpass besteht über Mittag», sagt Brigitte Vaneck, Leiterin der Tagesstruktur Primarstufe Peter. Viele Familien seien auf eine durchgehende Betreuung angewiesen, inklusive Mittagessen. Angebote ab 14 oder 16 Uhr reichten nicht aus. An ihrem Standort zeigt sich der wachsende Bedarf besonders deutlich. Die Zahl der betreuten Kinder ist in den letzten Jahren stark gestiegen: Sie wuchs seit 2012 von 14 auf rund 120 Kinder an. Auch wenn in dieser Zeit nebst der Augustinergasse noch die Standorte an der Marktgasse und am Spalengraben hinzukamen, reicht das Angebot dennoch nicht aus. Bereits 2018 lancierte das Erziehungsdepartement bei Immobilien Basel-Stadt Raumbedarfsmeldungen. Seither wird gezielt nach Liegenschaften gesucht, die sich für schulische und betreuerische Nutzungen eignen.

Ein neuer Standort in ehemaligem Kirchgemeindehaus
Die Suche nach geeigneten Räumen führte das Erziehungsdepartement auch an den Holbeinplatz 7. Hinter der Haltestelle der Buslinie 30 steht das ehemalige Centre der Église française. Zu diesem Zeitpunkt war noch offen, welche Nutzungen hier Platz finden könnten. Klar war jedoch: Das Gebäude sollte umfassend saniert werden, und für das Sockelgeschoss wurden neue Nutzungen gesucht. Ausgehend vom Bedarf zusätzlicher Tagesstruktur-Plätze in der Primarstufe Peter wurde zunächst geprüft, ob sich der Standort dafür eignet. Dabei zeigte sich, dass das Gebäude mehr bietet als erwartet. Es stehen zusätzliche Räume zur Verfügung, die über den Bedarf der Tagesstruktur hinausgehen. Damit rückten weitere Fragen in den Fokus: Wo fehlt an anderen Schulstandorten Raum? Welche Angebote sind ausgelagert? Welche Provisorien bestehen seit Jahren? Aus diesen Überlegungen entwickelte sich schrittweise das heutige Raumprogramm.

Ein Gebäude wird zur Lösung
«Für uns ist dieses Projekt wirklich ein Glücksfall», sagt Volksschulleiterin Doris Ilg. Mit dem neuen Standort am Holbeinplatz lassen sich mehrere bestehende Raumbedürfnisse bündeln. Angebote, die bislang verteilt oder provisorisch untergebracht waren, erhalten damit einen festen Ort. An erster Stelle stehen zusätzliche Kapazitäten für die Tagesstruktur der Primarstufe Peter. Damit reagiert das Erziehungsdepartement auf den steigenden Betreuungsbedarf. Hinzu kommen zwei heilpädagogische Kindergärten, je einer für die Primarstufe Peter und die Primarstufe Rittergasse. Bisher waren diese gemeinsam im Schulhaus Münsterplatz untergebracht, wo der Raum zunehmend für den regulären Unterricht benötigt wird. Auch der Kindergarten an der Leonhardstrasse, dessen Infrastruktur nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht, kann an den neuen Standort verlegt werden. Einen festen Platz erhält zudem der Mathekindergarten. Dieses Angebot richtet sich an Kindergartenkinder aus der ganzen Stadt und musste in den vergangenen Jahren mehrfach umziehen. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Förderräume für Logopädie und Psychomotorik für Schülerinnen und Schüler aus Privatschulen.

Hohe Decken und Sichtbeton
Das Gebäude am Holbeinplatz wird seine Geschichte weiterhin erzählen. «Der Charakter des Hauses aus den 1970er-Jahren bleibt ebenso erhalten wie die Teile der ehemaligen Kapelle mit Sichtbeton. Das verleiht den Räumen eine eigene Atmosphäre», beschreibt Christoph Hewing, Projektleiter beim Erziehungsdepartement, die Besonderheiten des Bauwerks. Die Gesamtsanierung, welche vom Architekturbüro Aebli Zimmermann geplant und umgesetzt wird, hat Anfang Dezember 2025 begonnen und dauert rund zwei Jahre. Sie wird stark auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet: Für die Tagesstruktur, die Kindergärten und die Förderräume stehen die unteren vier Stockwerke zur Verfügung, während die oberen weiterhin dem Wohnen vorbehalten sind. Ab Schulstart im August 2027 werden Kindergarten- und Primarschulkinder hier ihren Alltag verbringen. Das ehemalige Kernstück der Kirche wird der Tagesstruktur gehören. Im rund 150 Quadratmeter grossen Aufenthaltsraum ist eine Sitzlandschaft mit Stufen geplant. Von dort soll auch ein direkter Zugang nach draussen möglich sein. Die gestufte Gestaltung schafft Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten im Innern. Ergänzt wird das Raumangebot der Tagesstruktur durch drei weitere Gruppenräume, eine Küche sowie einen separaten Bewegungsraum.

Rund 60 zusätzliche Plätze
Für Brigitte Vaneck bedeuten diese Aussichten eine spürbare Entlastung – auch wenn sie bei Eröffnung bereits pensioniert sein wird. Mit dem neuen Standort am Holbeinplatz wird die Tagesstruktur der Primarstufe Peter künftig auf vier Standorte verteilt und gewinnt rund 60 zusätzliche Plätze. Am Holbeinplatz 7 entsteht ein Ort, an dem verschiedene Angebote zusammenkommen. Die Lösung markiert einen Schritt in einem Prozess, der weitergeht. Sie schafft dort Spielraum, wo der Platz besonders knapp ist.

Text: Tamara Funck