Zwei Wochen Schule in Tokio
NewsZmittag im Klassenzimmer, gemeinsames Putzen und kein Znüni: Der Schulalltag in Japan unterscheidet sich in vielem von jenem in Basel. Der neunjährige Taito lebt in Basel und erzählt, was ihm in Tokio besonders aufgefallen ist.

«Ich war jetzt zum zweiten Mal in Japan in der Schule. Ich gehe dort gerne in die Schule. Die Schule ist im Shinjuku- Quartier in Tokio. Dort wohnt meine Grossmutter. Ich bin in einer ganz normalen japanischen Klasse. Ein paar Kinder kannte ich noch vom letzten Jahr. Die Kinder wollten wissen, wie viele Sprachen ich neben Japanisch kann. Ich habe mich bei der Klasse in all diesen Sprachen vorgestellt: Schweizerdeutsch, Deutsch, Englisch, Französisch und Finnisch. In der Schule ist fast alles auf Japanisch. Wir haben verschiedene Fächer: Japanisch, Kanji, Englisch, Wirtschaft, Geschichte, Geografie, Sport, Musik, Malen und Basteln. Aber kein Französisch. Japanisch schreiben ist schwierig. Hier in Basel gehe ich einmal pro Woche in die japanische Schule. Aber dort lernen sie viel mehr Schriftzeichen. Englisch ist einfacher. In Japan esse ich in der Schule Zmittag. Es gibt zum Beispiel Fisch, Reis oder Ramen. Das Essen ist sehr gut. Wir essen im Klassenzimmer und die Kinder schöpfen selbst. Auch putzen wir unser Klassenzimmer selbst. Bevor wir nach draussen gehen, putzt die ganze Klasse den Boden, die Tische und die Tafel. Im Schulhaus tragen wir Finken. Und am Morgen begrüssen wir die Lehrperson zusammen. Ein Kind gibt das Kommando, alle stehen auf und sagen ‹Ohayō gozaimasu›, also guten Morgen. Danach setzen sich alle. Jedes Kind hat einen eigenen Tisch. Die Schule in Japan beginnt 20 Minuten später. Pausen gibt es auch, aber kein Znüni. In der Pause spielen wir zum Beispiel etwas Ähnliches wie Völkerball. Die Schultage sind länger als in Basel, ausser am Mittwoch. Wenn ich etwas aus der japanischen Schule nach Basel mitnehmen könnte, wären es die Etuis. Die kosten ungefähr einen Franken. Sie haben Platz für alles und sogar einen eingebauten Spitzer. Das finde ich cool.»
Aufgezeichnet von Tamara Funck
Schulbesuch während den Ferien
Taito lebt mit seiner Schwester und seinen Eltern in Basel. Seine Mutter ist Japanerin, sein Vater Finne. Zu Hause spricht die Familie Japanisch, Finnisch und Englisch. Dank seiner japanischen Staatsangehörigkeit und der vorübergehenden Anmeldung am Wohnort seiner Grossmutter kann Taito während seines Aufenthalts in Tokio die öffentliche Primarschule ihres Quartiers besuchen.