Vollzug im Untersuchungsgefängnis
Das Leben in einem Gefängnis bedeutet für die eingewiesenen Personen und für das Gefängnispersonal eine permanente Herausforderung. Die Untersuchungshaft bewirkt die einschneidendsten Einschränkungen der persönlichen Freiheit einer eingewiesenen Person. Sie bedeutet meistens einen plötzlichen Freiheitsentzug von mehreren Tagen, Wochen oder gar Monaten.

Angebote und Kapazitäten
Erste Haftzeit (nur Untersuchungshaft Männer)
Die ursprüngliche Haftunterbringung während der Untersuchungshaft stellt die erste Haftzeit dar, die in drei Stationen vollzogen wird. Dies bedeutet, dass die eingewiesene Person 23 Stunden am Tag in der Zelle verbringt. Sie erlebt nur eine Stunde Unterbruch durch einen Spaziergang. Ebenfalls verlässt die Person die Zelle zu Vorführungen, bei Anwaltsbesuchen, Besuchen, zur Körperpflege oder Reinigung der Zelle. Die Mahlzeiten werden durch die geöffneten Zellentüren an die eingewiesenen Personen abgeben. In jeder Zelle steht ein Fernsehapparat mit einigen fremdsprachigen Sendern. Die Unterbringung erfolgt in Doppelzellen (mit jeweils einem Notbett) oder Einerzellen. Die wenigen Einzelzellen sind sehr begehrt.
Anzahl Zellenplätze: Männer 35
Gruppenhaft (Untersuchungshaft Männer und Frauen)
Die Gruppenhaft wurde bereits bei der Projektierung des neuen Gefängnisses geplant. In der Station ist jeweils ein Gruppenraum integriert, in dem sich die eingewiesenen Personen vormittags und nachmittags aufhalten können. Im Unterschied zur ersten Haftzeit werden die Mahlzeiten im Aufenthaltsraum gemeinsam eingenommen.
In dieser Situation muss sich die eingewiesene Person mit ihrem Umfeld auseinandersetzen und kann sich trotzdem in ihre Zelle zurückziehen. So wohnen auf engstem Raum Menschen mit den verschiedensten Persönlichkeiten, Kulturen, Religionen und Ansichten zusammen.
Anzahl Zellenplätze: Männer 44, Frauen 14
Vollzug/Kurzstrafen (Männer und Frauen)
Im Aufbau zeigen diese beiden Stationen keinen Unterschied zu einer Gruppenhaftstation der Untersuchungshaft. Hier wird hingegen versucht, eine Tagesstruktur anzubieten und umzusetzen. Gemäss dem Gesetz müssen eingewiesene Personen im Strafvollzug einer Tätigkeit innerhalb des Gefängnisses nachgehen.
Anzahl Zellenplätze: Männer 9, Frauen 15
AIG-Bereich (nur Frauen)
Eine Haftstation des Untersuchungsgefängnisses steht für kurzfristige Festhaltungen von weiblichen Personen gemäss dem eidgenössischen Ausländer- und Integrationsgesetz bereit. (Die ausländerrechtliche Inhaftierung von Männern erfolgt im Gefängnis Bässlergut.)
Anzahl Zellenplätze: 3
Station zur Betreuung psychisch auffälliger eingewiesener Personen (nur Männer)
Die Gefangenenstation (seit Oktober 2019) im Untersuchungsgefängnis umfasst 7 Zellen mit insgesamt 9 Plätzen (dazu gibt es noch eine sogenannte Eintrittszelle mit einem Platz). Die Station ist für psychisch auffällige eingewiesene Personen und für Personen mit akuten psychischen Krisen vorgesehen. Diese Abteilung gewährt den Zugang zu einer intensiven und angepassten Betreuung. Ziel ist zum einen, den Leidensdruck der betroffenen eingewiesenen Personen zu mindern. Zum anderen werden negative und belastende Auswirkungen einer psychischen Krise aufs Personal und auf die Mitinhaftierten reduziert. Zudem werden rückfallfördernde Prisonierungseffekte vermindert. Die Situation von psychisch auffälligen und erkrankten eingewiesenen Personen im Untersuchungsgefängnis und im Gefängnis Bässlergut wird insgesamt verbessert.
Anzahl Zellenplätze: 9
Jugendabteilung (Jungen und Mädchen)
Ziel der Jugendabteilung ist es, eine sozialpädagogisch betreute Abteilung für Jugendliche bis 18 Jahren zu führen und die Kontakte zu erwachsenen Untersuchungsgefangenen zu vermeiden.
Vollzogen werden Untersuchungshaft und Massnahmen verschiedener Art für Mädchen und Jungen. Zusätzlich wird der Arrest für Bewohner vom Arxhof in der Jugendabteilung vollzogen. Diese sind mehrheitlich von den anderen Jugendlichen getrennt.
Anzahl Zellenplätze: 13
Jugendabteilung
Die Jugendabteilung wurde in Zusammenarbeit mit den Jugendanwaltschaften Baselland und Basel-Stadt und dem Massnahmenzentrum Arxhof im Januar 2003 eröffnet. Nach Absprache können auch Jugendliche anderer Kantone aufgenommen werden.
Sorgfaltspflicht des Personals
Die Untersuchungshaft bewirkt die einschneidendsten Einschränkungen der persönlichen Freiheit einer eingewiesenen Person. Sie bedeutet meistens einen plötzlichen Freiheitsentzug von mehreren Tagen, Wochen oder gar Monaten.
Mit der Inhaftierung verliert die eingewiesene Person das gesamte soziale Umfeld, was zu einer grossen seelischen Belastung führen kann. Verstärkt wird dieses Gefühl durch:
- die Ungewissheit über die Zukunft
- die Entsozialisierung
- die plötzliche Isolation
- die Trennung von Angehörigen, Freunden und der Gesellschaft als solcher
- das Herausgerissenwerden aus dem täglichen Umfeld
- und die Unmöglichkeit, sich aussprechen zu können
Hinzu kommen die ungewohnten Lebensbedingungen, das Beschäftigungsproblem (Verlust des Arbeitsplatzes), die Entbehrung gewohnter Genussmittel und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
Fachperson Justizvollzug - ein Job mit Perspektive
Sie kennen das Gefängnis nur aus dem Fernsehen? Zeit, das zu ändern. Als Fachperson Justizvollzug sorgen Sie für Sicherheit, begleiten Menschen durch ihren Alltag und werden dafür berufsbegleitend ausgebildet, bei vollem Lohn, bis zum eidgenössischen Fachausweis.
Die Umstände in der Untersuchung muss sich das Gefängnispersonal im Umgang mit den eingewiesenen Personen fortlaufend vergegenwärtigen. Die Untersuchungshaft wird meistens psychisch wie auch physisch schlecht verkraftet. Gegenüber dem Strafvollzug ereilt sie die eingewiesenen Personen meist unvorbereitet. Von einer Stunde auf die andere wird die eingewiesene Person mitten aus ihren Lebensbeziehungen herausgerissen. Oft hat sie nicht mehr die Möglichkeit, ihre wichtigsten und dringendsten persönlichen und familiären Angelegenheiten zu ordnen, zu klären und zu organisieren.
Die Dauer und der Ausgang des Verfahrens sowie die Tage der Untersuchungshaft sind meistens ungewiss. In der Regel wird die körperliche Anpassung einigermassen ertragen. Hingegen bereiten die psychischen Belastungen oft die grösseren Schwierigkeiten. Besonders eingewiesene Personen mit wenig gefestigtem Charakter haben Mühe mit der Bewältigung dieser Probleme und Ereignisse.
Das Gefängnispersonal ist täglich in ihrer anspruchsvollen Tätigkeit gefordert. Einerseits unterstützt es die eingewiesenen Personen bei der Bewältigung ihrer Anliegen, andererseits muss es die Richtlinien und Vorschriften einhalten. Der Umgang mit Nähe und Distanz erfordert vom Gefängnispersonal Erfahrung und auch die nötige soziale Kompetenz. Die zahlreichen Ausländer - oft aus unterschiedlichen Kulturen und Religionen - erschweren die Betreuung und Aufsicht, denn Sprachbarrieren müssen überwunden werden. Jede eingewiesene Person besitzt die gleichen Rechte und Pflichten, wenn auch in einem sehr eingeschränkten Masse.
Bauliche Voraussetzungen
Das Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt ist zwar keine Hochsicherheitsanstalt, muss aber mit dem baulichen Konzept den Sicherheitsaspekten und der Kollusionsgefahr (Absprache zwischen eingewiesenen Personen) hohe Rechnung tragen. Bei den eingewiesenen Personen kann daher das Gefühl von Isolation, Monotonie und der Langeweile entstehen. Daher können von den eingewiesenen Personen unerwartet Reaktionen auftreten, seien dies verbale oder nonverbale Aggressionen gegenüber Mitinhaftierten oder sogar gegenüber dem Gefängnispersonal.
Manchmal verletzen sich die eingewiesenen Personen selbst, um dem grauen Alltag eines Gefängnisses zu entkommen. Zum Beispiel können Sie sich dann einige Zeit in einem Spital aufhalten. Besuche, Vorführungen, Anwaltsbesuche, Spazieren und Sport durchbrechen die tägliche Monotonie der eingewiesenen Personen.
Beschäftigung und Arbeit können zu einer weiteren Lösung von Spannungen beitragen und werden als Abwechslung angesehen. Zusätzlich können die Eingewiesenen angeleitete Sportkurse besuchen. Auf verschiedenen Spazierhöfen stehen ihnen für die körperliche Betätigung Fitnessgeräte zur Verfügung.
Sport im Justizvollzug
Sport im Gefängnis trägt erheblich zur physischen, psychischen und sozialen Gesundheit der Insassen bei und unterstützt ihre Resozialisierung.
Küchenbetrieb

Alltag in der Grossküche
Das Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt betreibt eine eigene Grossküche. Pro Mahlzeit können bis zu 220 Portionen produziert werden. Die Grossküche wird von einem eidgenössisch diplomierten Küchenchef geleitet. Zwei weitere Mitarbeiter (Koch mit Ausbildung zum Fachmann für den Justizvollzug) arbeiten ebenfalls im Küchenbetrieb mit. Für die eingewiesenen Personen werden sechs Arbeitsplätze angeboten. Diese werden nach strengen Auswahlkriterien vergeben. Der Küchenbetrieb kocht das ganze Jahr, auch an Feiertagen und Wochenenden. Es werden nach Möglichkeit nur frische und saisonale Produkte verarbeitet.
Bei der Menügestaltung wird auf die unterschiedlichen Glaubensrichtungen und auf eine ausgeglichene und ausgewogene Ernährung geachtet. Vegetarier haben die Möglichkeit, das Menu ohne Fleisch zu wählen. Diabetiker werden nach den üblichen Richtlinien verpflegt. Weitere krankheitsbedingte Kostformen werden mit dem medizinischen Dienst abgesprochen.
Einige Verbrauchszahlen im Durchschnitt pro Jahr
- Brot: circa 8,760 Tonnen
- Fleisch: circa 4,1 Tonnen
- Geflügel: circa 3,1 Tonnen
- Fisch und Meeresfrüchte: circa 1 Tonne
- Teigwaren: circa 3,9 Tonnen
- Reis: circa 3,2 Tonnen
- Kartoffeln: circa 5,2 Tonnen
- Milch: circa 6200 Liter
- Konfitüre: circa 36 500 Portionen
- Butter: circa 36 500 Portionen
- Hartweizengriess, Maisgriess, Ebly, Couscous: circa 1,2 Tonnen
Einkaufsmöglichkeiten
Die eingewiesenen Personen können einmal pro Woche im hauseigenen Kiosk Lebensmittel, Hygieneartikel, Zigaretten, Zeitschriften und anderes einkaufen, sofern sie auf ihrem Konto ein Guthaben nachweisen können.
Medizinischer Dienst

Im Untersuchungsgefängnis Basel-Stadt ist der medizinische Dienst integriert. Die eingewiesenen Personen werden wie in einer Arztpraxis umfassend betreut.
Medizinische Hilfe
Die medizinische Hilfe für eingewiesene Personen wird über 24 Stunden gewährleistet. Mehrere Fachpersonen sorgen tagsüber für die Krankenpflege. In der Nacht und am Wochenende ist der Pikett-Dienst der Gesundheitsdienste Basel-Stadt des Gesundheitsdepartements zuständig. Die medizinische Verantwortung tragen die Gesundheitsdienste Basel-Stadt.
Jeder Neueintritt (Mann, Frau oder Jugendlicher) wird mittels eines medizinischen Fragebogens erfasst. Somit kann eine bereits bestehende Therapie nach Möglichkeit weiter geführt werden.
Die Pflegefachpersonen sind verantwortlich für das Richten und Bereitstellen von verordneten Medikamenten, für das fachgerechte Anlegen von diversen Verbänden (zum Beispiel Abszesse, Wundverbände und so weiter), für die Abklärung von Substitutionsprogrammen und je nach Art der Substitution für die Weiterverabreichung (zum Beispiel von Methadon). Sie koordiniert die Arztvisiten, die im Bedarfsfall zweimal wöchentlich stattfinden. Der Hauptteil der medizinischen Betreuung wird durch die Pflegefachpersonen ausgeführt. Oft sind diese auch «Kummerkasten» für die eingewiesenen Personen, was einen Grossteil der Arbeit und Tätigkeit ausmacht.
Zahnprobleme
Bei Zahnproblemen wird das Gefängnis durch die Volkszahnklinik unterstützt. Bei Bedarf kommen Mitarbeitende der Volkszahnklinik in das Untersuchungsgefängnis (maximal einmal pro Woche) und nutzen den Behandlungsraum für zahnärztliche Eingriffe. Zahnbehandlungen können also im Haus durch Fachpersonal ausgeführt werden. Dank dieser Besonderheit werden auch eingewiesene Personen aus anderen Gefängnissen im Untersuchungsgefängnis behandelt. Prinzipiell werden nur Schmerzbehandlungen durchgeführt. Möchte eine eingewiesene Person ihre Zähne saniert haben, muss sie entweder die Kosten selber tragen oder es muss ein Kostenträger gefunden werden. In diesem Fall muss ein Vorschuss hinterlegt werden und eine schriftliche Garantie der Kostenübernahme muss vorliegen.
Psychische Probleme
Nicht zu vergessen sind die psychischen Probleme. Für diese Fälle gibt es eine Psychiatrievisite. Diese findet zwei Mal pro Woche statt (konsiliarische Psychiatervisite und zusätzlich für eingewiesene Personen im Massnahmenvollzug die psychiatrische Massnahmenvisite). Diese Visiten werden von der Klinik für Forensik der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) gestellt. Ebenfalls können die Fachpersonen bei akuten Notfällen beigezogen werden.
Wäscherei

Wir kümmern uns täglich um die Reinigung und Bereitstellung von Bett- und Frottierwäsche, Küchenwäsche, Arbeitskleidung, Reinigungslappen und so weiter. Damit stellen wir sicher, dass stets frische und saubere Textilien im Umlauf sind. Der Hausdienstverantwortliche sorgt dafür, dass die Wäsche stets in bestem Zustand ist. Für den Wäschefinish und das Reparieren der Wäsche werden zwei eingewiesene Personen eingesetzt.
Mit modernster Technologie und verschiedenen abgestimmten Waschprogrammen werden im Jahr ca. 38 000 kg Schmutzwäsche gewaschen.
Wichtige Links
- Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG
142.20 Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG), vom 16. Dezember 2005 (Stand am 1. Juni 2024)
- (Strafprozessordnung (StPO)
312.0 Schweizerische Strafprozessordnung
- Justizvollzugsverordnung (JVV)
258.210 Verordnung über den Justizvollzug, vom 23. Juni 2020 (Stand 1. Juli 2020)
- Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug SKJV
Unter anderem unterstützt das SKJV die Kantone bei der Aus- und Weiterbildung des Personals und der Weiterentwicklung des Justizvollzugs auf nationaler Ebene.
- Strafvollzugskonkordat der Nordwest- und Innerschweiz
Konkordat für eine einheitliche Auffassung und Handhabung wichtiger Themen des Vollzugsalltags.
- Verordnung über den Justizvollzug JVV
SG 258.210, vom 23.06.2020
- Strafprozessordnung (StPO)
312.0 Schweizerische Strafprozessordnung
- Zahlenspiegel Justizvollzug 2025 (Startet einen Download)
- Organigramm Untersuchungsgefängnis (Startet einen Download)
- Videoreglement Unteruchungsgefängnis Waaghof (Startet einen Download)
- Ausbildungskonzept Gefängnisse Basel-Stadt (Startet einen Download)
Produktion im Untersuchungsgefängnis
Angebot und Möglichkeiten der Produktion
Kontakt für Fragen und Aufträge zur Produktion
Wir stehen Ihnen gerne zur Verfügung. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Dann zeigen wir Ihnen unser Angebot und unsere Möglichkeiten bei einem Gespräch.
Telefon: +41 61 267 52 03
Arbeit und Beschäftigung sind wichtige Aspekte im Gefängnisalltag.
Unser Auftrag
Mit der Beschäftigung der eingewiesenen Personen werden die gesetzlichen Bestimmungen umgesetzt.
Die Wiedereingliederung in das berufliche Leben nach der Haft wird durch den Arbeitsprozess unterstützt. Die Arbeiten sind eine sinnvolle Tätigkeit und eine willkommene Abwechslung zum eintönigen Alltag im Gefängnis.
Wir bieten
- Kundenorientierte Lösungen
- Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
- Saubere und präzise Verarbeitung
- Einhaltung aller gesetzlichen Auflagen
- Hohe Qualität, arbeiten effizient und zuverlässig
Arbeitsbereiche
- Konfektionierung und Verpackung (auch in Grossauflagen)
- Getriebemontage
- Montage Elektrogeräte (LED Halogenlampen)
- Mailing und Versand
- Einsätze mit der Feinwaage
- Abfüllen diverser Lebens- und Futtermittel
- Etikettieren von Tabakwaren und so weiter
- Schlaufen und Knüpfen von Etiketten
Unsere Werkstatt eignet sich für Arbeiten mit einem grossen Personalaufwand.
