Architektur trifft auf Pädagogik
NewsWie Schulräume in Zukunft gestaltet werden, beschäftigt Schulen, Behörden und Architekturbüros gleichermassen. An der Netzwerktagung beider Basel zeigten die Referate: Lernorte sollen vielfältiger, flexibler und stärker pädagogisch gedacht werden – und ihre Entwicklung gelingt nur gemeinsam.

Wie sollen die Schulräume von heute, morgen und übermorgen aussehen? Welchen Gestaltungsspielraum haben Schulleitungen, Lehrpersonen, Behörden und Architekturbüros in der Entwicklung des Schulraums? Mit diesen komplexen und aktuellen Fragen befasste sich die bikantonale Netzwerktagung BS & BL unter dem Titel «Raum macht Schule». Dass der Raum gerade in der heutigen Zeit eine entscheidende Rolle für den pädagogischen Auftrag spielt, wurde früh untermauert. «Die Macht des Raumes ist immens», sagte Yanick Forcella, Leiter Weiterbildung, Schul- und Unterrichtsentwicklung vom Pädagogischen Zentrum, bereits in der Begrüssung.
Im 20. Jahrhundert sei die Hauptaufgabe der Schule gewesen, Köpfe mit Wissen zu füllen. Grösstenteils geschah das über den Frontalunterricht. Auf diese Art des Unterrichts seien die meisten Schulgebäude aus dieser Zeit ausgerichtet, sagte Barbara Pampe in ihrem Inputreferat. Heute müsse Schulraum aber ganz anderen Anforderungen genügen. «Schule wird zu einem Lern- und Lebensort», erklärte Pampe, die sich als Architektin und Vorständin der Stiftung Montag genau mit solchen Fragen beschäftigt.
Keine lineare Welt
Eine grosse Herausforderung in der aktuellen Zeit sei, dass diese von Umbrüchen und Unsicherheiten geprägt sei. «Wie sollen wir Kinder auf die Welt von morgen vorbereiten, wenn wir nicht wissen, wie die Welt von morgen aussieht», fragte die Architektin. Eine mögliche Stossrichtung für die Zukunft hat sie trotzdem präsentiert. Das klassische Klassenzimmer könnte in der Schule von morgen an Bedeutung verlieren. Schulraum sollte divers gestaltet werden. Es braucht kleine, grosse, offene und geschlossene Flächen, sagte Pampe. Nach dem Motto: diverse Flächen für diverse Anforderungen.
Vertiefen konnte Pampe ihre Vorstellung von modernem Schulraum anhand eines Pilotprojekts, das die Stiftung Montag begleitet. «Leiseräume», «Themenräume» und «Teamräume» können heute und in Zukunft von verschiedenen Klassen geteilt werden. «Wir wollen Räume mit Aktivitäten belegen, nicht mit Personen», sagte Pampe. So könne man auch der Anforderung der Ganztagesschule zumindest teilweise gerecht werden. Ebenfalls wichtig sei, dass die pädagogische Haltung reflektiert werde, bevor Schulraum entwickelt werde.
Partizipation als Erfolgsmodell
Ein weiterer Aspekt der aktuellen Schulraumentwicklung sei die Integration von möglichst vielen Interessensgruppen. Dazu gehören Schulleitungen, Lehrpersonen, aber auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Bevölkerung, sagte Ivo Mauch vom Zentrum für Schulführung und Schulentwicklung der PHBern. Es sei wichtig, eine pädagogische Vision zu haben. Diese kann in der sogenannten «Phase 0», also noch vor den eigentlichen Bauphasen, wegweisend eingebracht werden. Neuer Schulraum würde nicht auf einer Baustelle entstehen, sondern sei idealerweise «ein pädagogischer Prozess mit baulicher Umsetzung», betonte Mauch.
Dass die Entwicklung von Schulräumen eine komplexe und aktuelle Angelegenheit ist, zeigte die thematische Vielfalt der insgesamt elf Workshops, die an der Tagung angeboten wurden. Von der Lernraumplanung über den Outdoor-Unterricht bis zum Austausch mit Personen aus der Hauswartung war vieles vertreten. Gerade Letztere sollten beim Thema Schulraum auch frühzeitig konsultiert werden. Denn: «Niemand kennt ein Schulhaus besser als die Hauswartin oder der Hauswart».
Text: Rafael Hunziker, PZ.BS
Materialien & Veranstaltungen
Alle Materialen zur Tagung finden Sie unter:
Jahrestagung des Netzwerks Schulentwicklung | Kanton Basel-Stadt
Alle Materialen der Stiftung Montag zum Thema «Pädagogische Architektur» finden Sie unter: Pädagogische Architektur: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
Interessierte können am 11. und 14. September 2026 im Barcamp das Thema «Lernräume der Zukunft» vertiefen.
Weiterbildung & Beratung für Schulen | Barcamp: Lernräume der Zukunft